Aufsatz 
Über den Spielmann im Nibelungenliede
Entstehung
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D0 si wol enslafen waren unde er daz ervant,

do nam der degen widere den schilt an sine hant:

gie er üz dem huse für die türe stän

unt huote siner vriunde vor den Kriemhilde man.(280, 5. 6. 7.)

Diese Stelle ist wohl eine der schönsten des ganzen Liedes. Hier schlägt das Saitenspiel in reiner Macht und Bedeutung an; Volker er- scheint hier als Genosse jener altertümlichen Harfner, mit der vollen Weihe des edelsten und reinsten Kunstberufes: das ganze Haus ertost von seinen Tönen; die zarten, lieblichen Klänge schläfern die sorgenden Männer ein. ¹)

Noch in der Nacht wird ein Ueberfall auf die Schlafenden von Seite der Hunnen versucht; er unterbleibt aber, als die Feinde der beiden wach- samen Recken im lichten Sturmgewande ansichtig werden.(281, 16.) Der Fiedler will den Abziehenden nach, wird aber von Hagen zurück- gehalten und wirft zornig den Hunnen ihre Feigheit vor(phi, ir zagen boese, wolt ir släfende uns ermordet hân? 282, 5)

Am frühen Morgen weckt Volker mit Hagen die Burgunden vom Schlafe und beim Kirchengange stellen sich die beiden vor dem Münster auf, trotzig der Königin den Weg versperrend, so dass sich diese mit ihnen drängen muss. Die Hunnen wollen abermals angreifen; nur die Furcht vor Etzel hält sie noch zurück.(284, 6. ff.) Bei den nach der Messe auf Volkers Anregung stattfindenden Ritterspielen,dem buhurt, spricht dieser verächtlich von den Hunnen und reitet einen von ihnen nieder (288, 2. ff.); nur durch Etzels persönliches energisches Dazwischentreten wird noch einmal der Ausbruch des Kampfes verhindert.

Aber während die Herren Mittagstafel halten, bricht das seit langem drohende Verhängnis endlich herein. Der von der rachedürstenden Kriem- hilde durch grosseVersprechungen gewonnene Bruder ihres Gemals, Blödelin, überfällt die unter Dancwarts Aufsicht in der Herberge lagernden bur- gundischen Dienstmannen, welche alle erschlagen werden; nur Dancwart, Hagens kühner Bruder, entrinnt und erscheint mit Blut überronnen im Speisesaale, mit mächtiger Stimme rufend:Wie sitzt Ihr so lange hier, Bruder Hagen? Euch und Gott im Himmel klage ich unsere Not; Ritter und Knappen liegen alle in der Herberge erschlagen.

Hagen springt auf, und nachdem er seinem Bruder die Wache an der Saaltüre anvertraut, damit niemand hinausgelange, schlägt er mit einem Schwerthiebe dem hunnischen Königssohne Ortlieb das Haupt ab, dass es

¹) So sprengt auch in der nordischen Sage König Gunnar durch sein Harfen- spiel die Balken des Hauses und schläfert die Nattern ein s. ob. Die Aehnlich- keit beider Stellen ist in die Augen springend; der Harfenschlag Gunnars hallt in Volkers Geigentönen wider; er bildete einen der Anhaltspuncte für die Aafnahme Volkers in das Lied von Seiten des Dichters.