1 Begleiten wir nun den Spielmann in seinem Auftreien im Nibe-
lungenliede. Im ersten Teile des Liedes erscheint er als Held, der neben andern,
den Burgundenkönigen untertanen Vasallen, neben Hagen von Tronje, Dancwart, Ortwin, Gere und Eckewart als„Volker von Alzei“ genannt wird, ein Recke,„mit ganzen ellen wol bewart“(Nib. Z. 2, 4), der im Sachsenkriege die Burgundenfahne voranträgt(25, 5. 17, 1. 30, 4), im Streite tapfer kämpft und viele Feinde erlegt(31, 2. 32, 5. 36, 1).
Im zweiten Teile empfängt Volker in Gemeinschaft mit den übrigen Helden den„guoten Rüedigère“ von Pechlarn, der als Etzels Bote nach Worms an den Königshof kommt,(Nib. Z. 182,1.), begleitet Kriemhilden, als sie der Werbung des Hunnenkönigs Folge gebend, zu ihrem neuen Ge- male abreist, als Reisemarschall(196, 2.) bis zur Donau, wo er von ihr herzlichen Abschied nimmt(197/'5.), und als Kriemhilde, nun die Gattin Etzels, ihre Brüder zum Besuche in's Hunnenland einlädt, um Rache zu üben für Siegfrieds Ermordung und Hagen dem Könige Gunther den Rat gibt, wohlbewaffnet und mit grosser Mannschaft'die Reise anzutreten, da kommt auch der kühne Volker mit dreissig seiner Degen zu der Fahrt heran; prächtig sind die Recken gekleidet: sie hatten„solch gewaete, ez möht. ein künec tragen“(225, 6.).— Volker wird hier wie neu eingeführt, offenbar weil ihm von nun an eine Hauptrolle im Liede bestimmt ist:
Wer der Volkèr waere, daz wil i'uch wizzen lan.
er was ein edel hêrre: im was ouch undertän
vil der guoten recken in Burgonden lant.
durch daz er videln konde, was er der spilman genant(225, 7.)
Ausdrücklich wird seine edle Abkunft(ein edel hêrre) und Macht (im was ouch undertân etc.) hervorgehoben und erklärt, warum er der Spielmann hiess, nämlich: durch daz er videln konde, d. i. weil er der Kunst zu geigen mächtig war, aber nicht nach Art der fahrenden Leute auf Erwerb damit ausgieng.
Die zur Hunnenfahrt einladenden Boten Etzels wollen auch Brun- hilde sehen, um ihr Rüedigers Grüsse zu entbieten(217, 5.), aber Volker widerstrebt ihrem Verlangen, trotzdem es Gunther erlaubt hatte(227, 1. 2.) ¹).— Die Burgunden machen sich auf den Weg in's Hunnenland.
¹) Lachmann z. d. Nib. s. 179, 1366 bemerkt:„Diese hintertreibung des be- suches durch Volker scheint mir eine armselige erfindung, deren urheber sich selbst nicht deutlich gemacht hatte, was er eigentlich damit wollte; gehörte Brün- hilde ursprünglich in dieses lied, so wäre sie auch bedeutender.“ Er verwirft die Str. 1366, 1425, 1426 L.(— ss. 217, 5. 227, 1. 2. Z.)
— Ist es aber nicht etwa eine Consequenz des Dichters, der Brunhilden im zweiten Teile des Liedes überhaupt nicht mehr bedeutend hervortreten lässt, dass er auch jetzt ein etwaiges Eingreifen Br. in den Gang der Ereignisse durch Volker verhindern lassen will? L. E.


