Aufsatz 
Über den Spielmann im Nibelungenliede
Entstehung
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8 geben. Die Herren der Burg Alzei, welche durch ihre Lage nahe bei Worms schon Anspruch darauf hatte, an der Sage teilzunehmen, führten eine Fiedel im Wappen und hiessen im Volk die Fiedler. Daraus wird deutlich, warum die Fiedel,daz wafen, auch Volkers Schwert ist und beide in man- nigfachen Ausdrücken(ez ist ein rôter anstrich, den er zem videlbogen hät Nib. 1941; sin videlboge snidet durch den herten stâl Nib. 1943) mit einan- der vertauscht werden, oder mit andern Worten, warum er zugleich Held und Spielmann ist und die Geige, sein Wappen, mit in den Kampf trägt. ¹)

Darnach wäre Volker, ohne dass für seine Aufnahme in der Sage ein Anhalt sich gefunden hätte, ploss durch Anknüpfung an das als bereits bestehend vorausgesetzte Wappen der Stadt Alzei und der Herren der dortigen Burg in das Lied gekommen. Könnte aber nicht auch umge- kehrt das Wappen der Stadt Alzei aus der Sage stammen und ein Cha- rakter, der so bedeutend, wie Volker, im Liede auftritt, für seine Auf- nahme in dasselbe einen Anhalt in der Sage vorgefunden haben? ²)

Vielleicht liesse sich die Einschiebung Volkers in das Nibelungen- lied in folgendem erklären:

Die älteste und eine Hauptquelle der Ueberlieferung für das Nibe- lungenlied sind die nordischen Völsungenlieder der sogenannten älteren Edda, welche das Geschlecht der Völsungen und dessen Haupthelden Sigurd(= Siegfried) verherrlichen und wahrscheinlich im XI. Jahrhun- dert entstanden sind. ³) Die wichtigsten Heldengestalten: Sigmund, Sigurd(Siegfried); die Giukungen(Burgunden): Gunnar(Gunther) und dessen Brüder Guthorm(Gernot) und Högni(Hagen), Alti(Attila, Etzel), Brynhild, Gudrun(die nord. Kriemhilde; dieser Name selbst bezeichnet dort ihre Mutter), und auch der behandelte Stoff sind darin dieselben, wie im Nibelungenliede. In diesen Liedern nun spielt König Gunnar die Harfe und zwar mit altertümlicher Zaubermacht. Von Atli in den Schlangen- hof geworfen und an den Händen gefesselt, schlägt er die Harfe mit den Zehen(den Zweigen der Füsse) so herrlich,dass die Schönen klagten, die Helden sich härmten, dass entzwei rissen die Balken; die Schlangen aber schliefen ein, ausgenommen eine Natter, die den Helden in's Herz sticht.¹) Von Volker ist nirgends die Rede. Da diese und andere die Nibelungensage behandelnde Liederö) auf Grundlage des vom IX JIht. an von Deutschland her successive eingeführten Sagenstoffes im Nor- den entstanden sind,é) so muss man annehmen, dass in der Sage, wie

¹) W. Grimm, deutsche Heldensage 355.

²) Vgl. Uhland a. a. O. I, s. 278.

³) Vgl. E. Koch, die Nibelungensage s. 11, 13.

) Simrock, Edda 261, 494, ff. Uhland a, a. 0. I. 275.

³) Die Prosadarstellung in der sog, jüngeren Ed da und die Nornagestsage. ²) Vgl. Koch a. a. 0. s. 11. Zarncke, Nib. Einl. LXXXV.