Aufsatz 
Über den Spielmann im Nibelungenliede
Entstehung
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springen, die Fische in der Flut, wohin sie schwimmen wollen; der Falk auf dem Aste breitet die Flügel aus, die Wiese plüht, der Wald belaubt sich, der gewaltige Strom hält inne; da lacht und weint das Herz Menschen und Wassergeistern; der König und seine Hofleute tanzen, mit ihnen Holz und Halm; die Rinde wird vom Baume gespielt, das Horn von der Stirne des Stieres, der Turm von der Kirche; Leichen erstehen aus den Gräbern, die versunkene Braut hebt den weissen Arm aus den Wellen und eilt auf den Schoss des Geliebten zurück. ¹)

Dass man von den Wassergeistern Musik lernen könne, dass es eine den Elfen abgehörte Tanzweise gebe, bei welcher Junge und Alte, Blinde und Lahme, die Kinder in der Wiege, selbst alle Hausgeräte zu tanzen beginnen und wovon der Spieler selbst nicht ablassen könne, wenn er nicht das Stück rückwärts zu spielen wisse oder ihm die Saiten der Geige zerschnitten werden, ist im Norden alter Volksglaube. ²)

Von den Göttern und Elfen gieng sodann die Gabe des Liedes auf einzelne Helden über und die Wirkung ihres Gesanges wird in gleicher Weise als eine mächtige und wunderbare geschildert. In der griechischen Mythologie haben Orpheus und Amphion des Gesanges Gewalt. Amphion sang, dass seiner Leier die Steine folgten und zur Mauer sich fügten; Orpheus bezähmte durch seine Gesänge wilde Tiere; die Macht seiner Töne gab Felsen und Bäumen Leben und Bewegung, schläferte Drachen ein. Achilleus, der grösste Held der Achæer, singt in der Ilias zum Klange seiner Phoeminxden Ruhm der Männer, während sein Freund Patroklos ihm im Wechselgesang erwidert.

Im scandinavischen Norden, wo der Götterkönig Odin, der gewaltige Schlachtengott, den Dichtertrank geraubt hat und den Dichtern Gesänge gibt, gilt es den Königen und den gepriesensten Helden für ehrenvoll, als Skalden zu glänzen; einen so hohen Begriff von der Würde des Ge- sanges setzen die alten Heldensagen voraus, dass man diesen mit dem höchsten Berufe vereinbar fand. Und je weiter hinauf im Reiche der Lieder und Sagen, desto unbedenklicher führen Könige und gewaltige Helden das Saitenspiel, desto wirksamer greift der Zauber der Töne in den Gang der Begebenheiten ein. Den Heldenaltern der Völker ist das Lied der Inbegriff und Ausdruck aller geistigen Regung und Bildung.

¹) Uhland, zur Geschichte der Dichtung und Sage VII., Balladen, Ortssagen, Märchen(dänische, schwedische etc. Volkslieder: Elfenhöh', Ritter Tynne, der Neck. der Harfe Kraft) s. 359 ff.; vgl. auch I., s. 273.

²) Uhland, a. a. O. I., 273. DerAlbleich(alb-elb-elf) ist die süsseste Weise, welche Fiedlern zu Gebote steht und die sie von Elfen gelernt haben. In einem ungedruckten mhd. Gedichte kommt die Stelle vor:Da sazen videler und videlten alle den albleich,. Vgl. Grimm, d. Myth. 439.