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Sowie in den nordischen, ertönt Gesang und Saitenspiel auch in den deutschen Heldenliedern und die drei grossen deutschen Sagenkreise weisen Helden auf, die der Töne mächtig sind.
In der Amelungensage schlägt König Rother drei Weisen auf seiner Harfe an, als er seine Boten zur Brautwerbung nach Constantinopel sen- det; wo sie jene Klänge in der Not vernehmen, sollen sie seiner Hilfe sicher sein:
Dri leike er in nande,
die sie sint wole irkanden.
dô sprach der hèrre vile gôt „kumit ir imer in decheine nôt, swa ir virnemet die leiche dri, da sulder min gewis sin.“ ¹)
Als sie nach Jahr und Tag nicht zurückkehren, nimmt er die Harfe und steigt zu Schiffe. Sobald die gefangenen Boten zum'erstenmale auf Rothers Bürgschaft hin ausserhalb des Gefängnisses gespeist werden, erklingt hinter ihnen der Leich. Vor Freuden entfallen den Treuen Becher und Messer und als laut der zweite Leich erklingt, erkennen sie Rother, springen auf und küssen den mächtigen Harfner. Die Königstreue, die sonst mit dem Schwerte sich bewährt, waltet hier im Wohllaut des Saitenspiels.²)
Im Otnitliede desselben Sagenkreises lässt der Zwergkönig Elberich sich bei einem Feste schauen, die Goldkrone auf dem Haupte und eine Harfe in der Hand, deren Saiten er rührt, dass der ganze Saal erklingt:
Dô truog Elberich der cleine ein harpfe in der hant.
er ruorte also geschwinde die seiten alle sant
in einem süezen tone,
daz der sal erdoz.³)
In der Hegelingensage ist der Held Horand von Dänemark ein Meister des Gesanges; seinen süssen Weisen wohnt noch der ganze altertümliche Zauber, die unwiderstehliche Gewalt über die Natur und das menschliche Gemüt inne. Wenn er abends und morgens vor dem Palaste des Königs singt, so vergessen die Vögel in den Büschen ihre Töne, die Tiere des Waldes lassen ihre Weide stehen, das Gewürm im Grase kriecht nicht weiter, die Fische im Wasser schwimmen nicht fort; die Glocken klingen nicht mehr so schön wie sonst, niemand bleibt seiner Sinne mächtig; den Trauernden schwindet ihr Leid, die Kranken genesen:
¹) Deutsehe Dichtungen d. Mittelalters, hgg. v. K. Bartsch: König Rother 172. ²) Uhland, a. a. 0. I. s. 34, 272. z) Otnit Str. 522.— Vgl. Uhl. a. a. O. I., s. 273.


