Aufsatz 
Schluss des alten und Eröffnung des neuen Gymnasiums in Elbing / von Oberlehrer Anger
Entstehung
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VII

oder längere Zeit an dem Elbinger Gymnasium thätig gewesen waren(so viele davon noch lebten) vereinigten sich, um ihm durch Überreichung einer Erinnerungsgabe ihre aufrichtige Verehrung auszudrücken. Dieselbe Empfindung theilten, wie sich in jenen Tagen vielfach do- kumentirte, alle seine Schüler von alten Zeiten her bis zu den jüngsten; nach einer vorläu- figen Mittheilung haben 149 derselben eine Summe von 2625 Mark 22 Pf. zu einer»Benecke- Stiftung«, zusammengelegt, welche, sobald das Capital durch Zuschlag der Zinsen auf 3000 Mark gestiegen sein wird, talentvollen armen Schülern des Elbinger Gymnasiums zu Gute kommen soll. Die noch jetzt dem Gymnasium angehörigen Schüler unterliessen eine öffentliche Ovation nur, weil der allverehrte sie nicht wünschte. Die reiche Thätigkeit, durch welche der ge- feierte so viel Liebe, Verehrung und Anerkennung sich erworben hat, in ihrer Eigenart ein- gehend zu schildern, muss der Unterzeichnete, da es ihm gegenwärtig an Musse und in diesem Programm an Raum gebricht, sich versagen, obwohl er mit demselben vielfach und schon früh, zuerst als Schüler des Friedrichs-Collegiums zu Königsberg 1837, dann als Lehrer des Gym- nasiums zu Elbing 1848 1850, endlich als Director bei vielfachen Besuchen in Elbing und auf den Directoren-Conferenzen der Provinzen Ost- und Westpreussen 1865 1880 in nahe Berührung gekommen ist. Einige Nachrichten über sein früheres Leben hat Herr Director Benecke selbst in dem Programm des Elbinger Gymnasiums von 1845 gegeben. In Betreff der Verdienste, welcher er sich als practischer Schulmann erworben hat, erlaube ich mir nur daran zu erinnern, dass er nicht nur die höhere Bürgerschule, jetzt Realgymnasium, ge- gründet und das Gymnasium, in welches von ihm 2107 Schüler aufgenommen und aus welchem von ihm etwa 300 Abiturienten entlassen sind, zu neuer Blüthe erhoben, sondern auch die vielgerühmte Reorganisation des gesammten Volksschulwesens in Elbing durch seine überlegene Einsicht ins Leben gerufen und längere Zeit hindurch geleitet hat. Seine Schriften sind ausser der akademischen Dissertation De Cicerone etymologo Regimontii 1835, den beiden Festreden in dem Programm von 1850 und der vortrefflichen Abhandlung über die geometrische Hypo- thesis in Platons Menon im Programm von 1867 zwei anonym erschienene Schulbücher, eins für den Unterricht im Französichen 1839, 8. Auflage 1873, eins für den Unterricht im Eng. lischen 1853.

Mit dem Leiter des Gymnasiums zugleich trat am 1. April auch der erste Oberlehrer Professor Dr. Reusch in den Ruhestand. Das königliche Provinzialschul-Collegium sprach ihm bei seinem Scheiden»gern dankbare Anerkennung« für seine» 40 Jahre hindurch treu und segensreich« entfaltete Lehrthätigkeit aus. Das tiefe Leiden, welches ihn schon vorher län- gere Zeit von der Schule fern gehalten hatte, verliess ihn nicht mehr; er erlag demselben nach kaum vier Monaten, am 21. Juli, im 66. Jahre seines Alters. Ein zahlreiches Gefolge seiner Collegen, Schüler, Freunde und Mitbürger geleitete ihn tief betrübt zu seiner letzten Ruhe- stätte. Sein Abgang war ein sehr herber Verlust für das Gymnasium. Fast drei Jahrzehnte hindurch hat er mit unermüdlichem PfHlichteifer die reichen Gaben seines Geistes und seines Gemüthes der Wohlfahrt des Elbinger Gymnasiums gewidmet, und durch die Vielseitigkeit und Gediegenheit seiner Lehrerwirksamkeit wie durch die Lauterkeit und Güte seines Wesens und Strebens bei den Lehrenden und Lernenden der Anstalt sich ein unvergängliches, ehren- des und dankbares Andenken gesichert. Have pia anima!