Aufsatz 
Zu Platons Apologie und Kriton / Eduard Goebel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

urre Ssobc(Lijrs 7αςα))Ein und derselbe kann nicht zugleich an Dämonisches und an Göttliches glauben und hinwiederum derselbe weder an Dämonen noch an Götter. Angesichts dieser unwidersprechlichen Argumentation ist es unbegreiflich, dass man einem Schriftsteller wie Plato einen solchen Mangel an logischer Schärfe und Präzision zutrauen kann, wie diejenigen thun, welche das ob in obigem Satze so vertheidigen, wie Engelhardt(dem Wohlrab beistimmt) oder Kraemer(cfr. Fleckeisen's Jahrbb. 1864 S. 87). Jener lässt den Schriftsteller geradezu das Gegenteil von dem sagen, was er sagen muss, und entschuldigt ihn mit den Worten:sed oblitus(!) initio orationis se dixisse α οb pergit, quasi dixisset α ταοσ α᷑ τοο Soriw; dieser bringt, wenn er meint, gleich das erste Glied enthalte schon einen Widerspruch in sich(an darubwa glauben, nicht aber an deta) und dieser liege nicht erst in dem Gegensatze des ganzen ersten Satzgliedes zu dem zweiten zal ro αιν ⁵ο ³), etwas in den Gedanken, was in der voraufgehenden Argumentation gar nicht vorkommt(nämlich:wer an, atμμα glaubt, muss auch an Seta glauben). In derselben Weise wie Kraemer versuchte auch schon Keck(Jahrbb. 1861 S. 408) das od zu rechtfertigen, womit im wesentlichen F. W. Münscher(Dbid. 1865 S. 474) über- einstimmt, dem sich Bäumlein anschlieszt(ibid. 1866 S. 117). Aber wenn der Schriftsteller das hätte sagen wollen, was Münscher und Bäumlein aus den Worten herauslesen, indem sie das C 05 zu beiden Sätzen beziehen, die mit Rücksicht auf die Klageschrift das Schlussresumé von dop- pelter Seite, positiv und negativ, aussprechen sollen, also einerseits dass der Glaube an Soε6va den Glauben an Setc mithin auch an deoi und anderseits die Leugnung von 9eο⁵ auch die Leugnung von daibovsc mithin auch von daνννιια involviere: so sieht man wahrlich nicht ein, warum er dann nicht(wie Cron ibid. S. 126 mit Recht bemerkt) lieber gesagt hätte: 60 05 r05 25O Sort Xal DatGva k 9Od I oat 2l 45 ro5 A5O5 Ljre a ,vr, rs dobc etc. von der ganzen vorangehenden Beweisführung einmal abgesehen. Auch die von Cron in den Bemerkungen(Jahrbb. V. Supplementband S. 97) mitgeteilte Interpretation Heerwagens, der eine Brachylogie statuiert und den ganzen Gedanken in die beiden Sätze oder Wahrheiten zerlegt:

²) Der Zusatz bits ipoas, welcher über die Argumentation hinausschieszt, ist ganz ungehörig und mit Prammer und Schanz notwendig zu tilgen. Wenn Cron meint:5σα᷑ kommt dazu, weil Socrates in seiner zweiten Erklärung daihoves offenbar in diesem Sinne fasst, so ist dagegen zu bemerken, dass darauf aber für den Schluss selbst nichts ankommt. Dieser lautet: Wer 5augsva glaubt, muss auch 3aiuovas glauben(27 B. und C.); wer aber Salhwowas glaubt, muss auch d*οςα glauben(27 D.), entweder unmittelbar, wenn daipoves= daoi, oder mittelbar, wenn daipoves= -eG xald=c(i. e. οσιωμαςα. Also ist dar 6vra vOEiEGe= 0d vohieoy; also ist die Behauptung des Meletos du‿n Loxpdrms 9²05 b5 vohiSov, AAAà ath b»iM vobioy(denn so hat ja Meletos jetzt ſcap. XIV] seine Anklage inter- pretiert)= 5 LXH. N²55 05 vOGv, dAAà JObs vO ev. Quod erat demonstrandum. Auf keinen Fall würde also ſpcac in das 2. Glied gehören, da ja nur von der Existenz der 7oε(= dela) auf die der deot geschlossen wird und geschlossen werden kann, nicht umgekehrt. Die τ(= hui⸗) erscheinen daher offenbar als eine ungeschickte Interpolation, etwa mit Rücksicht auf die fhiovor. Was den Zusatz vobe hr6voo« selbst anlangt, so ist klar, dass er sehr entbehrlich ist, da für die Argumentation nichts darauf ankommt; dagegen lässt sich'nicht behaupten, dass er gestrichen werden müsse. Socrates konnte ihn aber füglich nur dann machen, wenn er in der Erklärung 31Oneᷣ= HeG raAde⸗ » 6or das letzte Wort besonders urgieren wollte, und dazu liegt keinerlei Veranlassung vor.

³) Er übersetzt:dass es nicht eines und desselben Mannes Sache sei, sowohl an Dämonisches als auch an Göttliches zu glauben(d. h. an das letztere ebensogut wie an das erstere) und dass'es auf der andern Seite Sache des nämlichen(vorgenannten) sei, weder an Dämonen noch an Götter(noch an Heroen) zu glauben etc.