Zu Platons Apologie und Kriton.
Bei wiederholter Interpretation der beiden herrlichen Schriften des göttlichen Plato, deren Geist und Herz bildende Lektüre unsern Primanern niemals vorenthalten werden sollte, der Apo- logie und des Kriton, konnte es nicht fehlen, dass manche Stellen bezüglich des Inhalts und Gedankenzusammenhangs oder des sprachlichen Ausdrucks einer erneuten Prüfung und Erwägung unterzogen wurden. Indem ich über manche vielbesprochene und vielbestrittene Stelle die Akten noch einmal eingehend studierte, gelangte ich da und dort zu einem andern Urteile als die bis- herigen Richter, und mitunter fand sich auch wohl ein Anstosz, wo die Herausgeber und Interpreten bis herunter auf Cron und Wohlrab keinen gefunden hatten.
Aus der Zahl dieser kritischen und exegetischen Bemerkungen nun will ich einige heraus- heben und im folgenden teils eingehender teils kürzer behandeln. Sie mögen meinen Schülern als Erinnerung an genussreiche Stunden dienen, den Fachgenossen zu wohlwollender Prüfung em- pfohlen sein.
I. Beginnen wir mit der vielbesprochenen Stelle Apol. pag. 27 E. 5 md 05 rtya xsidoi Ay Xa Ov vODy FJoyta dν˙⁹εeꝓ⏑⁶α O5 105 dro ſAy] Seriy at Sarete ad Seia Teee, vo a5 ro brs daiovae Luſte dsode(ui-te 7οlασ, 050Sia Taynh Sorty, womit die Widerlegung der Anklage des Meletos schliesst. Meint doch auch Cron(cfr. Fleckeisens Jahrbücher, V. Sup- plementband S. 96),„dass darüber die Akten noch nicht geschlossen zu sein scheinen“.— Die klare Argumentation pag. 27 ist folgende. Meletos, sagt Socrates, widerspricht sich selbst und be- hauptet gewissermaszen den Nonsens: Abthet Loενρ. dsOdc 0 d vOicey, NA eodes vOiy, d. h. er verstöszt gegen das principium contradictionis, indem er d asselbe gleichzeitig bejaht und verneint. Wie so?(cap. XV.) 1) Wenn ich, wie Meletos doch in seiner Anklageschrift behauptet, an darνννα glaube, so muss ich notwendig auch an daiovac glauben(27 C. st Sathevta vOigo, zal SaihovaQ uro o dnn vOiCsty Bs Serty).— 2) Wenn ich aber an daipovac glaube, so muss ich notwendig auch an εοοςα glauben, da die daipovec entweder§soi oder d'εy xœdec sind.— 3) Also wenn ich an dathéyta glaube, muss ich notwendig auch an dobc glauben.— Meletos aber behauptet einerseits, dass ich nicht an d⸗οα glaube(c τν τπα⁴αααν o5 vOeo sobc pag. 26 C cf. 26 E), und zugleich anderseits, dass ich doch an daiwwa glaube. Dieses aber ist ein Widerspruch; denn o5 rod*⁴5 5(Ay?6e) Sativ al Sath.yta al Jeial) iat x*l a e dvac
¹) zul dsla tritt nur der Koncinnität wegen und deshalb hinzu, weil im 2. Gliede— entsprechend der Anklage— 9*ο die Hauptsache ist, im ersten dagegen darhévra. Der Mittelbegriff daiovas aber konnte nicht wegbleiben. Oder aber ist deia auch mit spezieller Rücksicht auf das 2. Glied der Argumentation beigefügt, welches lautet: dalhovas Tleioda= de0de Flelodat, weil daibove entweder= dsol oder= dschy aldes(i. e. dela) sind?


