Aufsatz 
Die Schriftstellerlektüre der Ober-Sekunda nach den Grundsätzen der Konzentration : 1. Teil / von August Ahlheim
Entstehung
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Konzentration in den Vordergrund. Diese bezweckt, durch stetes Zurückgreifen das früher Gelernte wach zu erhalten und nach Maßgabe ihrer inneren Verwandtschaft sämtliche Lehrgegen- stände in Verbindung zu setzen, damit sich die Vorstellungen gegenseitig stützen und befestigen.

Eine der ersten Forderungen der Konzentration ist eine sorgfältige Auswahl innerhalb der einzelnen Fächer, damit sie möglichst viel Berührungspunkte mit einander gemeinsam haben. Alles, was sich hier als unbrauchbar erweist, muß weichen, um didaktisch Wertvollerem Platz zu machen.¹) Diese Forderung der Konzentration schließt zugleich den weiteren Vorteil der Be- schränkung des Lehrstoffes auf das Notwendige und Wissenswerte in sich ein und führt dadurch eine Arbeitserleichterung herbei.

Unzertrennbar von der Konzentration ist das Klassenlehrersystem.²) Denn ein stetiges Ineinandergreifen der Lehrgegenstände kann nur dann wirksam stattfinden, wenn möglichst viele Fächer in der Hand desselben Lehrers vereinigt sind. Die von mancher Seite gefürchtete Gefahr der Ermüdung von Lehrer und Schülern³) dürfte durch die Praxis als unberechtigt er- wiesen sein. Mit Recht haben bedeutende Pädagogen es sogar als wünschenswert erachtet, wenn derselbe Lehrer außer Deutsch, Latein, Griechisch und Geschichte auch noch Französisch erteilen könnte, so daß außer ihm nur noch als zweiter der für Mathematik und Naturwissenschaft er- schiene. Der Religionsunterricht stünde alsdann freilich außerhalb dieser Berechnung, aber das ist wenigstens an unseren paritätischen Anstalten nicht zu ändern. Unterstützung wird er deshalb doch vielfach durch den übrigen Unterricht erfahren, mag man nun im Deutschen das echt christ- liche Handeln der Gudrun oder das feste Gottvertrauen des Löwenwirtes oder auch im griechischen Unterricht den kindlich-frommen Charakter der herodoteischen Geschichtschreibung betrachten. ¹)

Da die Konzentration zur sicheren Aneignung des Neuen stets an Bekanntes anzuknüpfen sucht, werden sich auch mannigfache Beziehungen zur Gegenwart) feststellen lassen. So

Hüter, Konzentration des sprachlich-historischen und geographischen Unterrichts in der Unter- Tertia. Programm Gießen, 1889. Loos, Der österreichische Gymnasiallehrplan im Lichte der Konzentration, Wien 1892. Altenburg, Zur Lehrplanorganisation für die Prima des humanistischen Gymnasiums, Programm Wohlau, 1891. Merian-Genast.,I Die Lehrstoffe der Quarta im Lichte der Konzentration, Progr. Jena, 1892. Willmann, Pädagogische Vorträge über die Hebung der geistigen Thätigkeit durch den Unter- richt. 2. Aufl. Leipzig, Verlag von Gräbner, 1886. S. 77 ff. ¹) Frick, Aphorismen zur Theorie eines Lehrplans betreffend die Klassenlektüre der Gymnasialprima. Lehrproben V. Altenburg, Parallele Behandlung verwandter Stoffgebiete. Grundzüge einer Lehrplan-Organisation für die oberen Gymnasialklassen. Lehrpr. X. Frick, Allgemeine Gesichtspunkte für eine didaktische Stoffauswahl. Lehrpr. XII. Vgl. auch meinen Aufsatz: Zur Stoffauswahl in Ober-Sekunda, Lehrpr. XXXI. Dettweiler, Untersuchungen über den didaktischen Wert Ciceronianischer Schulschriften I. u. II. Halle, Waisenhausbuchhandlung. ) Schiller, Entsprechen unsere Stundenpläne den Anforderungen pädagogischer Psychologie? Lehr- proben XIV. und öfter. Auch die Berliner Verhandlungen empfehlen das Klassenlehrersystem wieder- holt; so p. 43 und 544. Über die Nachteile des Fachlehrersystems vgl. HI. v. Treitschke, Die Zukunft des deutschen Gymnasiums. Leipzig, bei Hirzel, 1890, S. 17. Das Klassenlehrersystem verlangen die neuen preußischen Lehrpläne von 1891. ³) Fries, Ztschr. f. G. W. 44, p. 678, Jahrg. 1890. Daß der sachlich jedenfalls richtige Gedanke in der Ausführung an Personenfragen scheitern könne, wird hervorgehoben in den Berliner Verhandlungen, p. 487. ) A. Rieder, Einige Parallelen zu Stellen der heiligen Schrift aus den Werken griechischer, römischer und deutscher Klassiker. Zeitschr. f. d. G. W. Bd. 46 p. 419; Jhrg. 1892. A. Rieder, Noch einige Parallelen zu Lehrstücken des christl. Religionsunterrichts aus den Werken griechischer und römischer Klassiker. Z. f. d. G. W. Bd. 47. S. 79. ) Dettweiler, Die Erschließung der Gegenwart aus dem Altertum. Meyer-Markau, Sammlung pädag. Vorträge 2, 3.