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Palinuro beklagt er„Aeneae infamiam, qui emeritum peregrinis demersit in fluctibus Palinurum,“ was zu Aen. VI, 337 sqq. nicht passt 153).
Durch die Bedeutung der pharsalischen Schlacht unterstützt, wirkte Lucanus auch über die lateinredenden Kreise hinaus. Im Annolied ¹⁵⁴) heisst diese Schlacht daz hertisti volcwig, also diz búch quit, daz in disim merigarten je gevrumit wurde. A. Holtzmann will hier eine Anspielung auf Phars. VII, 632 erkennen, sowie er meint ¹6⁵), bei V. 685 blickte die Stelle durch: populumque potentem In sua victriei conversum viscera dextra 166). Dass Gottfried von Strassburg den Lucan wenigstens mittelbar kannte, glaube ich aus dem seltsamen Gleichniss in der Invective gegen Wolfram schliessen zu dürfen ¹⁶⁷): die bernt uns mit dem stocke schate, niht mit dem grüenen linden blate,— das auffallend an den Spruch über Pompejus erinnert: trunco, non frondibus, efficit umbram 1589).
Lucanus stellt sich dem Götterschluss entgegen, durch welchen Cäsar zum Sieg gelangt sei; er bekämpft entschieden die Abkunft des julischen Geschlechtes von Aeneas. Die Bewohner von Neu-Ilium ziehen dem Pompejus zu Hülfe: nec fabula Trojae Continuit, Phrygiique ferens se Caesar Iuli(Phars. III, 212). Es wäre nun zu erwarten, dass die mittelalterliche Geschichtsanschauung sich von ihm abgewandt hätte. Davor bewahrte ihn jedoch das Ansehen, dessen er als ein stets in Uebung gebliebener classischer Lehrer und Philosoph genoss; wie auch die Achtung, welche die republi- kanische Denkweise Männern wie Dante abgewann. Dieser nennt Lucanus unter den vier grossen Dichtern, welche den Vergil begrüssen; freilich als den letzten 1ε). Bei Lucan(VI, 420 sqq.) soll die thessalische Zauberin Erichtho dem Sextus Pompejus den
Ausgang der bevorstehenden Schlacht offenbaren. Sie beschwört nun die Seele eines
16²) Konrads Brief bildet bei Arnold von Lübeck das 19. Cap. des 4. Buches.
164) Str. 26; vgl. übrigens Kaiserchr. 499.
1½) Holtzmann: der Dichter des Annoliedes, Pf. Germ. II, 7.
166) Otto von Freis. II, 49 über die Pharsalusschlacht: cives totius orbis dominos in se divisos se vo- lentes eviscerare.
167) Tristan 4670, Massmanns Ausg., 1843.
168) Phars. I, 140; dass truncus den Stamm sammt den Zweigen bedeutet, erklâren Gronov und Burmann.
¹16²) Inf. IV. 90: e lo ultimo è Lucano.


