— 29—
prelia vicit 156). In der deutschen Uebertragung ¹⁵⁷) heisst es:(so) schribet uns vrliuge Lucanus. Otto von Freisingen empfiehlt für die Werke beider Dichter eine tiefere Auffassung: Lucanus, Virgilius caeterique Urbis scriptores narrando stylum frequenter ad intima quaedam philosophiae secreta attingenda sustulerunt 15). Die Kenntniss der Geheimdienste und magischen Bräuche, die Lucanus auskramt, mag zu solchen Urtheilen mitgewirkt haben. In den oben erwähnten goliardischen Strafliedern, die zum Schluss ihrer Vierzeilen elassis che Hexameter bringen, wird kein Dichter so oft wie Lucanus herangezogen. Hier ein Beispiel ¹⁵⁴): Vos ergo cum talia, Praesules, agatis, De futurae gaudio vitae desperatis, Illudque Lucanicum mente pertractatis: Tolle moras, semper nocuit differre paratis ¹6⁰).
Als der begabteste jener fahrenden Dichter, der sogenannte Archipoeta, vom Erz- bischof von Köln, Reinald von Dassel, zur Vollendung eines Epos über Friedrich I. gedrängt wurde, beschwerte er sich, man verlange von ihm in kurzer Frist Werke, Quae nec in quinquennio scriberes, Lucane, Vel tu vatum maxime, Maro Mantuane ¹⁰³³)! Sehr entschieden bezeigt Konrad von Querfurt, Kanzler Heinrichs VI, seine Verehrung für Lucan in einem Bericht an den Probst Herbord zu Hildesheim über den Zauberer Virgilius und seine Wunderwerke zu Neapel 1²). Konrad berührt Modena oder Mu- tinae labores(Phars. I, 41); er kommt an den Rubico, parvi Rubiconis ad undas (Phars. I, 213) und bemerkt: cujus parvitatem stupido intuentes obtutu, disertissimi illius Poetae Lucani admirati sumus facundiam, qui de re tam humili tam grandiloquo
intumuit eloquio. Mit dem Aeneas des Vergil ist er weniger befreundet; am Capo
14⁰) Bei Zarncke S. 16; in Reimen(S. 38): Et si velis punicum et bellum romanum Scire maniſestius, incipe Lucanum.
157) Haupt, altdeutsche Blatter, s. oben.
1³⁸) Bei Muratori VI, 138.
¹3⁰) Bei Wright und aus Handschriften bei Du Méril; gedichtet wahrschein! von Walther von Chatillon. 16⁰) Phars. I, 281.
1*¹) J Grimm, Gedichte des M. A. auf Kaiser Friedr., 195. s. Ficker, Reinold von Dassel, Köln 1850; Das Gedicht sollie den Krieg in lialien behandeln: qualiter subactus est Tuscus inimicus.
1*⁷) Leibnitz, scriptt. Brunsv. II, p. 695


