Aufsatz 
Die Aeneis, die vierte Ecloge und die Pharsalia im Mittelalter
Entstehung
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der Dichter der Gegenpartei, musste Lucanus mit seinem Epos einen Werth erhalten, der noch unendlich mehr als bei Vergil sein Verdienst übersteigt. Die Alten besprechen ihn meist sehr kühl, wenn auch Martial der Kritik zum Trotz aus dem starkeu Absatz der Pharsalia vom Buchhändler den Schluss ziehen lässt, Lucan sei ein Dichter. Der Ausfall des geschmackvollen Petronius(Sat. 98) gegen die Sänger des Bürgerkrieges geht wohl zumeist den Lucanus an. Quintilians Urtheil, derselbe sei magis oratoribus quam poetis imitandus, war das gemeingiltige; es wurde von Alcimus Alethius, der um 360 in Bordeaux lehrte, in Verse gebracht 15*). Gleichwohl blieb auch er in fort- währendem Andenken und erhielt als Schriftsteller der guten Zeit, als Vertreter einer antiken Denkart seinen Theil an der liebevollen Hingebung, die man der clas- sischen Dichtung zollte. Mit ihm kam diejenige Staatsansicht zu Worte, die sich dem Kaiserthum entgegengestellt. Andhelm, ein Grammatiker des 7. Jahrhunderts ¹) dichtet ihm eine Grabschrift, worin er die obgenannte vergilische parodirt: Corduba me genuit, rapuit Nero, praelia dixi, Quae gessere pares hinc gener, inde socer. Er schil- dert Lucans Schreibart: Continuo nunquam direxi carmina ductu, Quae tractim serpant; plus mihi comma placet; Fulminis in morem, quae sunt miranda, citentur; was an dasconcitatus, sententiis clarissimus des Quintilian 155) erinnert. Das Pathetische und Blendende, das den meisten in Spanien geborenen Dichtern eigen war, verfehlte den Eindruck nicht. Manche scheinen ihn um dessen willen, was ihnen für Kraft und Charakter galt, über den Vergil stellen zu wollen; so beginnt ein Epigramm auf ihn mit den Worten: Grandia qui exiguis deducit facta figuris, Ad Veneres abeat; nos tuba saeva juvat. In der Stadt der Grammatik, die Honorius Augustodunensis(f um 1140) in seinem Buch de exilio animae et patria beschreibt, gibt es vier Castelle: Tragödie, Komödie, Satire und Ode; die Tragödie wird von Lucanus befehligt. In Frankreich wurde die Pharsalia zu einem Gedicht in einreimigen Tiraden verarbeitet. Jene Distichen des Cato, die den Vergil als Lehrer des Landbau's rühmen, setzen(im

leoninischen Vers) hinzu: At si sudores belli cupisque labores, Lucanus dicit que Cesar

181) Meyer Anthol. I, 256. 13³) Werke, herausgeg. von A. Mai; Meyer, I, 839. 12⁸) Inst. X, 1, 90.