Aufsatz 
Die Aeneis, die vierte Ecloge und die Pharsalia im Mittelalter
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27

darus, den das Lied ohne Weiteres mit zwei Hexametern aus der Aeneis apostrophirt 145). Auf Weltkarten, wie auf der obengenannten in Hereford Cathedral, war Troja eine der vier Grossstädte; daneben Rom als caput mundi, Babylon mit seinem Thurm, und im Mittelpunkt Jerusalem. Erst in kritisch vorgeschrittenen Zeiten wurde der Einwand vorgebracht, die Abstammung von Besiegten sei nicht eben ruhmvoll; so redet Jul. Scaliger die Franconia an: Quid petis a victo stemmate ¹⁴)? Auch London wird als Nova Troja bezeichnet ¹⁴⁷); doch wäre der Name besser auf Colchester(Camelodunum) als Hauptstadt der Trinodnten zu beziehen. Hatte schon Vergil dem Ludus Trojanus mythische Weihe gegeben, so wird im 14. Jahrh. Turnier mit Troiampium übersetzt und ein Glossar fügt hinzu: gallice tournoiement; a Troia, quia ibi inventum est 1⁴⁵). Als Constantin den Adler der Weltherrschaft, seiner Bestimmung zuwider, zurück nach Osten trug ¹⁴⁸), hatte er anfangs die Absicht, Neu-Rom nach Troja zu verlegen ¹50).

Dass die Trojaner den Bach bei Xantennach dem wazzer in irem lante benannt haben, meldet das Annolied. Vom Niederrhein aus wuchert die Trojanersage unge- regelt weiter, so dass es in einer Urkunde von 1463, den Bischofshof bei Xanten betreffend, wörtlich heisst ¹⁵¹): Hector von Troien, den wy noemen Haegen von Troien. In diese Zeit füllt auch ein schwacher Versuch, Frankfurt in den Kreis der Sage zu ziehen; die Kosmographen fabeln, es habe früher Helenopolis geheissen, was auf Helenus wie auf die heil. Helena gedeutet wird. Auch die drei Frösche, das Wappen der Franken ¹⁵²), das sie von den märkischen Sümpfen her geführt und das später in die Lilien übergegangen sein soll, fanden Eingang in unsere Stadt.

In der Geschichtsanschauung, die wir zu entwickeln versucht haben, musste auch

14²*) Walth. 737; Aen. V, 496, 97.

14²) Eine ähnliche Aeusserung von Et, Pasquier bringt Holland bei; Pf. Germ. II, 379.

147) Galfr. Monm. hist. Brit., 22.

1*²) Du Méril, poésies popul. lat. antér. au 12. siécle, p. 34.

14*) Dante, Parad. VI.

1*) Burckhardt, die Zeit Const. des Grossen, S. 465.

12¹) Aus Lacombleis Archiv für die Gesch. des Niederrheins abgedr. bei Braun, S. 5.

122) Opera histor. J. Trithemii, Frankf. 1601; Braun 29. Ueber Tritbemius und seine angeblichen

Quellen spricht sich am stärksten K. L. Roth aus. 4*