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Die legendarische Geschichte, in unermüdlicher Thätigkeit, gewann bald ein neues Element, mit welchem sich das canonische Ansehen der Aeneis noch steigerte: die Sage vom trojanischen Ursprung der Franken. Dieselbe ist vielfach, neuerdings noch in zwei Abhandlungen von K. L. Roth ¹³6) und von Braun ¹³¹), beleuchtet worden. Roth verfolgt ihre Spur über die ältesten literarischen Nachweise zurück, um sie an mythische Vorstellungen anzuknüpfen; Braun hält die Frage offen, ob nicht ein echt geschichtlicher Anhaltspunkt zu vermuthen sei. Einstweilen halten wir noch die Meinung fest, dass wir hier eine Gelehrtensage von nicht besonders tiefer Wurzel vor uns haben. Wenn gallische Stämme, namentlich die Arverner ¹³⁸) sich der Abkunft von Troja, demnach der Verwandtschaft mit Rom rühmten, so waren sie von geschicht- lichen Verhältnissen unterstützt. Das Dasein der Galater war nicht unbekannt; S. Hieronymus hatte beobachtet, dass dieselben mit den Leuten von Trier eine Sprache redeten ¹³⁹). Als Clermont, der Bischofsitz des Sidonius Apollinaris, um 480 den West- gothen übergeben wurde, beklagte dieser das Loos seiner Arverner, die sich vom Stamm Ilions herleiten dürften 14⁰). Erst nach der Eroberung der Lande durch die Franken ist die troische Stammsage auch bei diesen deutlich nachweisbar; in einer Urkunde Dagoberts(† 638) heissen sie ex nobilissimo et antiquo Trojanorum reliquiarum sanguine orti. Mascou ¹4¹¹) erklärt das„Märchen“ durch den Heimzug der von Kaiser Probus am Pontus angesiedelten Franken. Jedenfalls wird schon der Name des Ans- gisil vom alten Anchises hergeleitet ¹¹²) und Karl der Grosse in dichterischer Wendung nahezu als Aeneade gepriesen: togatae Arbiter urbis Dardanidaeque Gloria gentis 14³). Im Waltharius steht der trojanische Ursprung der Franci Nebulones ausser Frage. Hagen
ist de germine Trojae ¹⁴³), der Bogenschütze Werinhard ist ein Nachkomme des Pan-
1¹) Die Trojanersage der Franken; Pfeifers Germ., I, 34.
127) Die Trojaner am Rhein, Festprogramm des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinland, Bonn 1856. 126) Arvernique ausi Latio se fingere fratres Sanguine ab Iliaco; Luc. Phars. I, 427.
12²) Hieron. comment. in epist. ad Galatas; s. Braun, S. 5.
14⁰) Sid. Ap. Ep. VIII, ad Graecum.
14¹) Gesch. der Deutschen bis zum Anf. der fränk. Monarchie; Wattenbach S. 67.
14²) In der Grubschrift der Rothais; s. auch Paul. Diac. VI, 23.
14³) Gobelinus de Persona, Cosmodr. cap. 21.
144) S. W. Grimm, deutsche Heldensage, S. 87; Göttling, über das Geschichtl. im Nib. Lied, S. 17.


