Aufsatz 
Die Aeneis, die vierte Ecloge und die Pharsalia im Mittelalter
Entstehung
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vom aufgefundenen Grab des Pallas, die Erwähnung des Kaiserfestes in Mainz und die Schlussbetrachtung.

Die Geschichtsanschauung des Mittelalters ging von dem kraftvollen Versuch aus, im Leben der Menschheit zwei mächtige Grundmotive als gleichberechtigt, als zu- sammenwirkend aufzufassen. Die Hauptzüge des idealen Baurisses, der vom 12. bis zum 14. Jahrh. sinnreich durchgeführt wurde, kündigen sich in der Kaiserchronik und anderen Weltbüchern schon mit Bestimmtheit an. Indem sie die realen Gegensätze kühn in Eines fassen, drängen sie die mehr beschauliche Geschichtsphilosophie des heil. Augustinus in den Hintergrund. Sie werden zu einem System, das die Denker fesselt und zu dessen Vollendung ein Dante seine beste Kraft aufbietet. Zuvörderst stützt es sich auf die Ueberzeugung, dass der Abschluss des römischen Weltreiches und der Eintritt des Christenthums gleichmässig im Plane der Gottheit gelegen und auf einander berechnet waren. Veldeke preist am Schlusse seines Werkes den Augustus vom kunne(Geschlecht) Romuli und Ascânjô Jüli als Hersteller des Friedens und des Rechtes: bi des ziten wart der gotes sun geboren. In diesem Lichte gewann auch die Aeneis neue Bedeutung; hatte man sie doch schon frühe geradezu gesta populi romani genannt 11₰). Das Annolied beginnt seinen Geschichtsauszug mit der Schlacht von Pharsalus. Wenn Dante in den untersten Höllenkreis Diejenigen versetzt, die Verrath an Wohlthätern geübt, so steht ganz folgerichtig im tiefsten Winkel desselben, Lucifern zunächst, Judas Ischarioth neben Brutus und Cassius. Die Schatzung aller Welt unter Augustus erhielt neuen Sinn; auf alten Karten 1²⁰) ist ausdrücklich ange- geben, der Kaiser habe die drei Welttheile von drei Philosophen ausmessen und beschreiben lassen.

Zur Stütze des Gebäudes gereichte die Eintheilung der Geschichte in vier Welt-

monarchieen, die auf Daniels Traum beruht 1²¹). Sie ist zu unterscheiden von der

11) S. Servius ad Aen. VI, 7. Ecko von Repkow sagt:(Augustus) het Virgilium liep durch daz buoch Enèidem im ze lobe, wan er von Aeneas geslehte was geborn. Massmann, Kaiserchr. III, 437.

12⁰) So auf der in Hereford Cathedral aufbewahrten; Th. Wright, Essays an Archeological subjects (Lond. 1861) II, S. 15.

¹²¹) Oft fälschlich Nebukadnezars Traum genannt(1. Dan. 7); so im Annolied 533, auch bei neueren Gelehrten.