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Dichter, der bei ihm Virgilius der mâre(41) oder der helt(355) heisst, freilich mit- unter bei Angaben, von denen in der ächten Aeneis kein Wort zu lesen ist, wie z. B. von den hundert Thoren Karthago's(371). Er spielt auf deutsche Sagenstoffe an; das von Vulcan geschmiedete Schwert ist(5712) scharpher unde herter dan der ture Eckesas, Noch der mare Mimink, Noch der gute Nagelrink. Proserpina heisst bei ihm Pluto's alde winje. Vielleicht hat der neuerdings meist mit herber Ungunst beurtheilte Dich- ter 1¹⁵) mindestens einen Vorzug selbst vor Vergil: die behagliche Mittheilung, den ironischen Anflug, der im Epos, dem Bilde des Gesammtlebens, nie ganz fehlen dürfte. Spuren des Humors hat die Aeneis äusserst selten; man wollte sie, ausser in jenem Quos ego, auch noch in dem Vers vom Tode des Wahrsagers Rhamnes finden 11¹6). Bei Veldeke ist der Ausdruck noch stärker: daz houbet er ime abe scriet, dazn hetr vorgesaget niet. Bei des Latinus Flucht erhöht unser Dichter noch Benoits Spott 1¹⁷) durch den Beisatz, der König habe seinen liebsten Gott mitgenommen.
Die ritterliche Gewandung der Aeneis erscheint bis zum Aeussersten vollendet in der merkwürdigen Berliner Bilderhandschrift von Veldeke'’s Eneide ¹¹1⁸). Die Helden sind„turnierfähige ritter“; das Costüm gehört dem Ende des 12. Jahrh. an. Camilla's Helm trägt als Zeichen einen verschlossenen Kasten, Sinnbild ihres Jungfrauengelübdes. Auch der architektonische Zierrath ist im Zeitgeschmack; am Haus der Sibylle ragen Säulen, mit fantastischen Thierköpfen geschmückt. In der Sittenmalerei thut sich der Zeichner noch weniger Zwang; die Boten aus Karthago treffen den Aeneas beim Schachspiel. Zuweilen wird im Bilde dramatisch verdeutlicht, was der Dichter nur indirect erzählt; Aeneas empfängt die Mahnung, Karthago zu verlassen(En. 1971) von einer Göttergestalt in der Tunica, mit dem Spruchbande: Var hinne, des mac dehein rat wesen, Ob du mit den dinen wellest genesen.
Drei selbstständige Zusätze Veldeke’s berühren die Geschichtsanschauung seiner
Zeit und sind von uns im nächstfolgenden Zusammenhang zu betrachten: sein Bericht
11⁵) So von Gôdeke, deutsche Dichtung im M. A., S. 868.
116) Aen. IX, 328: Sed non augurio potuit depellere pestem.
11) En tost fuir mieus se fioit Qu'en tous les dieux que il portoit.
11s) Genau beschrieben von F. Kugler, Kleine Schriften und Studien, I, S. 40 ff.


