Aufsatz 
Die Aeneis, die vierte Ecloge und die Pharsalia im Mittelalter
Entstehung
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Amata und Lavinia zu, das zum Anschen eines Codex in Sachen der Minne gelangte. Auch Gervinus ¹⁰⁸) meint, es möchten diese Stellenwenn nicht völlig dem Stoffe, doch ganz der Behandlung nach sein Eigenthum sein. Diese Annahme ist einzuschränken; nicht nur ist schon im Original der Hergang ins Empfindsame gezogen Lavinia bedauert, dem Geliebten nicht ihreguimpe oderune de ses manches zur Stärkung im Zweikampf übersandt, zu haben ¹⁵⁴½), auch das Gespräch nimmt in der Episode, die 1700 Zeilen umfasst, einen grossen Raum ein. In Amata's Rede heisst es von der Minne: Se il i a un peu de mal, Li bien s'ensuit tot par egal; Ris et joie vient de plorer Et grans depors vient de pasmer, Grans liesse vient de soupir, Fraiche color vient de palir, Baisiez viennent de baaillier, Embracement vient de vellier. Man vergleiche Veld. 9710 ff., namentlich daslieht varwe kumt nâch der bleichen. Das Selbst- bekenntniss des Aeneas, die starke Minne zu Lavinia sei ihm ein neues Gefühl ¹1⁰), lautet im Original: Si je eusse tel corage Vers la roine de Cartage, Qui tant m'ama qu'el s'en occist, Ja mes cors del' sien ne partist. Im Styl hat Veldeke mehrfach 1¹¹¹) von seinem Vorbilde die rasche Wechselrede angenommen, die Wilh. Grimm 11²) als Eigenthümlichkeit altfranzösischer Dichter bezeichnet.

Gleichwohl ist Veldeke nirgendwo ein sklavischer Nachahmer des welschen Buches 11¹³); er kürzt es am liebsten in den decorativen Schilderungen, z. B. der kartha- gischen Bauten ¹¹⁴); er erweitert es im Ausmalen der Gefühlswelt. Er tilgt manche Anachronismen des Benoit, bei welchem der Marquis Turnus das Schloss Montalban, darauf die Gunfane(gonfannan) des Aeneas weht, durch einen Connétable angreifen

und mit griechischem Feuer bewerfen lässt. Er beruft sich auch auf den römischen

1⁰8) Gesch. d. d. Dicht., I, 278, Ausg. v. 1853.

1⁰⁶) En. 12019: het her min haârbant! 12032: so ware ouch deste vaster sin spere und sin schaft. Bei Benoft: Il en ferist molt mieus de lance Et molt en trencast mieus s'espée.

11⁰) Veld. En. 10980 ff.

111) Am auffallendsten beim Bericht über Karthago, 604 616.

112) Ueber Athis und Prophilias, S. 373 ff.; vgl. W. L. Holland, Pfeiffers Germ. I, 241.

112) Veldeke's Abweichungen von Vergil stellt Cholevius(Gesch. der deutschen Poesie nach ihren an- tiken Elementen, I, 103 ff.) sorgfältig zusammen, doch ohne das Mittelglied zu kennen.

11⁴) Hier will er(359) die rede harte korten.