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ältere lautete: Mantua me genuit, Calabri rapuere, tenet nunc Parthenope; cecini, pascua, rura, duces ³⁵).
Jene Invectiven gegen Kirche und Geistlichkeit, die man sämmtlich unter der Auf- schrift einer derselben„Contra depravatum ecclesiae statum“ zusammenfassen könnte, sind grossentheils in dreizehnsilbigen gereimten Vierzeilen gedichtet; zuweilen ist statt der Schlusszeile ein classischer Hexameter, besonders gern aus Vergil, mit gleichem Reim eingeschaltet. So in der Einleitung zu eben dem Liede, das obgenannten Titel führt: Eliconis rivulo modice respersus Vereor ne pondere sim verborum mersus; Sed quia illabitur mundus universus Incipe Maenalios mecum, mea tibia, versus ⁹).
Aber im 12. Jahrh. entwickelte sich der Geist des Mittelalters in solcher Kraft und Fülle, dass er auch die Aeneis und ihren Dichter aus dem stillen Kreise classischer Geltung in eine neue Strömung zog. Die leitenden Ideen einer erregten Zeit haben assimilirenden Einfluss; die Epoche der Kreuzzüge drückte jedem ihrer Bildungs- elemente das eigene Gepräge auf. Mit dem genialen Blicke, der damals weniger den einzelnen Personen, als der Gesammtheit verliehen war, fand man aus dem Alterthum diejenigen Typen heraus, welche der Gegenwart für ihr ideelles Streben zum Ausdruck dienen konnten. Wo das Reich des Raumes durchmessen scheint, öffnet sich eine neue Gedankenwelt. Der romantische Zug, der einen Alexander und Aeneas umweht, empfahl sie der beginnenden höfischen Dichtung. An der Aeneis zumal war fast nur das Costüm zu verändern; den sonstigen Apparat für das ritterliche Epos, die fremdartigen Aben- teuer, die Liebesgeschichten, fand man gleichsam schon zugerichtet 97). Dies war um so willkommener, als selbst die vorzüglichsten Meister des Rittergedichtes einen geglie- derten epischen Plan nicht zu entwerfen wussten; sie kennen kaum eine andere Reihen- folge, als das bare Nacheinander. Die Aeneis, dies Erbtheil einer ästhetisch gebildeten Zeit, bot ein wohldurchdachtes Gerüste; die Franzosen, die in jeder Lebensäusserung
des Ritterthums den Vorgang haben, legten sie zuerst ihren Aeneasromanen zu Grunde.
²³) Die spatere s. Meyer, lat. Anth. I, 274. *⁸½) Wright, latin poems, 159; vgl. den versus intercalaris der 8. Ecl, 21. *¹) Ueber das Romantische im Vergil vgl. H. Wedewer: Homer, Virgil, Tasso; oder das befreite Jeru- salem in seinen Verhaltnissen zur Ilias, Odyssee und Aeneis, Münster 1843. 3


