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die goltvarwen hâre aus dem Iwein(1672) von der aurea caesaries(Aen. VIII, 659) herzuleiten oder bei rôteme golde gerade an fulvum aurum zu denken.
Auch die vielseitige, geist- und kraftvolle lateinische Lyrik der Geistlichen wirkte jm Inhalt wie im Ausdruck auf die volksthümliche Dichtung. In ihr bewegte sich der Pulsschlag der Zeit, namentlich im 12. Jahrh., ebenso mächtig als in der Literatur irgend einer neueren Vulgärsprache. Das Studium dieser Lyrik, verhältnissmässig noch neu ⁵⁵), wird ebenfalls belehrende Vergleichungspunkte ergeben. Auch sie bezeugt Vorliebe für Vergil und seine Dichtungen.
Oft werden in geistlichen Liedern grosse Namen aus der Heidenzeit angerufen,— wobei selten unser Dichter fehlt,— mit Beifügung der pathetischen Frage: wohin sie alle gekommen seien; also mit Hinweisung auf die Vergänglichkeit weltlicher Dinge. Einmal heisst es ⁹): Ubi Plato, ubi Porphyrius? Ubi Tullius aut Virgilius? Ein ander- mal lautet die Frage: Ubi sunt, qui ante nos in hoc mundo fuere? ⁹¹) Die Macht der Liebe preist ein Dichter mit den Worten: Si fiam Maro centies, Vix explicem materies Amoris et amantium ⁹²). Einer der kühnsten Tadelredner gegen die Kirche, Walther von Chatillon, dichtete sich das Epitaphium: Insula me genuit, rapuit Castellio; nomen Perstrepuit modulis Gallia tota meis ⁰⁸). Er parodirt also die Grabschrift Vergils, die, nach Donatus(Vita XIV, 45) von ihm selbst verfasst, ehemals an seinem Denkmal auf
dem Pausilipo zu lesen war und im 16. Jahrh. durch eine andere ersetzt wurde. ²⁴) Die
8³) Th. Wright, The latin poems commonly attributed to Walter Mapes, Lond. 1841. J. Grimm, lat. Ge- dichte auf Friedrich I, Berl. 1844(Berichte der Akad.). Du Méril, Poésies populaires latines du moyen age, 144 ff. Carmina Burana ed. Schmeller(Stutig. Literar. Verein). Dazu Giesebrechts Abhandl.(Kieler Monat- schrift) und Gervinus I, 295 ff.*
0) Rambach, christl. Anthologie, I, 354.
*1) Lied aus einer Pariser Handschr., datirt 1276; weiterhin die Zeile: Vita brevis, brevitas in brevi ſinietur; vgl. das Gaudeamus. Der Gedanke der Vergänglichkeit ist zweiscitig; er mahnt an Lebensgenuss wie an den Aufschwung zum Ewigen. Der Wechsel dieser Gegensätze liegt im tieferen Wesen der deut- schen Lyrik vom Minnegesang bis zu Hölty; auf Originalität aber legte das Mittelalter nur relativen Werth.
²²) Mone's Anzeiger, 1838, S. 292.
*²) Wenn die Interpunction richtig ist; vgl. Müldener, de vita magistri Philippi Gualtheri cet., Gottin- gae 1854.
²⁴) Münter, Nachrichten von Neapel und Sicilien, S. 41.


