Aufsatz 
Die Aeneis, die vierte Ecloge und die Pharsalia im Mittelalter
Entstehung
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gepriesen. Als das Kloster zu St. Gallen von bösen Anschlägen bedroht war, begann der Schulmann Ratpert sein Votum im Convent mit den Worten: Aut haec in nostros fabricata est machina muros, Aut aliquis latet error**)). Wie eifrig die dem Kloster befreundete Herzogin Hadwig sich dem Vergil zuwandte, den sie auch ihrem Kaplan zu lesen empfahl, ist selbst dem grösseren Publikum aus Scheffels Eckehard nicht unbekannt. Zumeist aber gewährt der Waltharius einen Bliek in die Geistesarbeit, welche den heimischen Sagenstoff in seiner ganzen Frische mit der entliehenen Form au vereinen wusste. Jacob Grimm hat die mehr oder minder auffallenden Wendungen zusammengestellt, die der Verfasser aus Vergil entnahm, darunter ganze Hexameter ⁵⁵); doch liese sich noch eine Nachlese halten. So ist der Vers(Walthar. 529): In cly- peum surgat, quo turbine torqueat hostem wenn man assurgat liest gleich- lautend mit Aen. XI, 284. Nachdem Eckefried den Walthari im Warfe verfehlt ¹), bedroht ihn dieser ganz wie Turnus den Pallas: Aspice, num mage sit nostrum pene- trabile telum ⁵⁷).

Der Waltharius ist nur eine unter den nachweisbaren Lateindichtungen, worin Kleriker von volksthümlicher Denkweise unsere Sagenwelt behandelten, bevor die grossen deut- schen Epen ihre vorliegende Gestalt annahmen. Gewiss wanderten auf diesem Weg manche Bilder und Wendungen aus den Alten, besonders aus Vergil, in die deutsche Dichtung. Die Nachweise hierfür bringt Zappert in der oben genannten Abhandlung zu einer bedeutenden Anzahl, ja dieselbe löst sich zuletzt ganz in solche Parallelen auf. Der Nibelungenvers 425(460), worin es von Brunhildens Stein heisst: grôz und unge- füege, michel sinwel, in truogen küme zwelfe helde küene unde snel erinnert aller- dings an Aen. XII, 897. Auch lässt sich die Schilderung des Balmung ⁵s) allenfalls

mit dem ensis stellatus jaspide fulva zusammenbringen. Dagegen scheint es gewaltsam,

*) Joh. v. Müller, Schweizergesch. I, 12, Note 239. Aen. II, 46.

**) Lat. Gedichte des X. und XI. Jh., herausgeg. von J. Grimm und A. Schmeller, S. 65 67.

*⁶ʃ) Walth. 775.

*¹) Aen. X, 481. Auch die Wendung sic sic(Walth. 946) findet sich Aen. IV, 660, das zweisilbige genua(Walth. 1326) Aen. V, 432 und anderwärts.

**) Nib. 1721(1824): dz des knopfe erschein ein vil lichter jaspes grüener danne ein gras. Ich citire nach Holtzmanns Schulausgabe, 2. Aufl. Aen IV, 261.