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thräische Sibylle wurde zu einer Person mit der Seherin von Cumä, der Führerin des Aeneas. Das Mittelalter spann diese Gedanken weiter. Wie jene Bücher auf dem Capitol der römischen Weltherrschaft dienten, so wird der Zauberer Virgilius mit fabel- haften Austalten in Verbindung gebracht, die sich auf Sicherung dieser Weltherrschaft beziehen 7³). Es lag nahe, die Vermittelung des Evangeliums mit dem zweiten Cäsar einer Sibylle anzuvertrauen. Die tiburtinische war es(nach Anderen die cimmerische), die dem Augustus in den Weihnachten ¹) von Christi Geburt beim Capitol erschien, da wo jetzt die Marienkirche von Ara Celi steht. Auf Bildwerken zeigt sie ihm die Erscheinung Mariä mit dem Kinde(die Madonna von Ara Celi); in einem Chorstuhl des Münsters in Ulm ist der Darstellung ⁷7⁵) die Inschrift beigefügt: Sibilla cimmeria octaviano deum de virgine nasciturum indicans: Jam nova progenies celo demit- titur alto.
Dass man den Apostel der Heiden mit ihrem Secher in Bezug bringen würde, war zu erwarten. In dem altfranzösischen Gedicht„Image du monde“, das im Styl an unsere Kaiserchroniken erinnert, und zwar in einer Handschrift, die zur Bibliothek König Karls V.(f 1380) gehört hat, wird berichtet, wie S. Paulus bald nach Vergils Tod in Rom angekommen; er bedauerte sehr, ihn nicht mehr zu sechen, las aber in seinem Buche„la plus bele prophecie, c'onques fust de paien oie“. Da redet er im Geiste den Virgil an: Ha! se je t'eusse trouvé, que je t'eusse à Dieu donné!*⁸⁵) In des Dichters Geburtsort Mantua**) wurde diese Apostrophe in einen Hymnus verflochten, den man zu Anfang des 15. Jahrh. bei der Messe des heil. Paulus sang; ein Vers lautete: Ad Maronis mausoleum Ductus, fudit super eum Piae rorem lacrimae; Quem
te, inquit, redidissem, Si te vivum invenissem, Poetarum maxime ¹⁸⁴)!
¹2) Hlierüber am ausführlichsten Massmann im III. Bd. seiner Kaiserchronik; s. unten.
24) Bei Koönigshofen: auf die heilige weinacht; die Unterredung kennt auch das Passional, 1, 21.
1⁴) Oue, Handbuch der kirchl. Kunst-Archäologie des deutschen M. A., S. 290.
1⁸½) Du Méril, Mélanges, S. 347.
*1) Eigentlich Andes; Dante(Purgat. 18, 63) nennt Pietola bei Mantua.
¹⁸) Zuerst gedruckt bei Beitinelli, II Risorgimento d'talia negli studj, nelle arte e ne'costumi dopo il ine, II, 18; öfter citirt, so in Raumers Gesch der Pädagogik I, 34.


