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aus dem 11. Jahrh. auf. In cinem deutschen Mister, wohl aus dem 14. Jahrh., spricht Ecclesia den Dichter an: Heiden man Virgilis, du salt uns ouch machen wis van der Heiligen gebort; sage, wie sint dine wort? Des Vergilis Antwort beginnt: ho van hiemelriche sal kumen wunderliche eine nuwe gebort 57). Auf Bildern aus dieser Zeit erscheint Vergil unter mehreren Heiligen mit einem Spruchbande, darauf Worte aus der 4. Ecloge stehen 6s). Bei Dante perichtet Statius, dass er durch Vergil nicht nur von Lastern bekehrt(s. oben), sondern zu Christo geführt worden. Hier 69) lautet die Stelle: Secol si rinnova, Torna giustizia e primo tempo umano E progenie discende dal ciel nova. Dante ist ernstlich bemüht, sich über Aussprüche des Meisters, die fatalistisch oder sonst unchristlich klingen, Beruhigung zu verschaffen; so über den Satz: Desine fata Deum flecti sperare precando ⁷). Ebenso muss ihm Beatrice(Parad. IV, 22) einen scheinbaren Widerspruch zwischen ihrer Darstellung vom Schicksal der Scele und Plato's Lehren im Timäos lösen.
Wie der Cultus Vergils überhaupt, so nahm die Vorstellung von seiner Christlich- keit in den späteren Jahrhunderten immer neue Gestalt an. In den Georgicis sollte eine Anspielung auf den Aschermittwoch enthalten sein; das Meteor in der Aeneis erinnerte an den Stern der drei Könige ²¹). Vor allem passte die ausführliche Behand- lung der Sibylle in diesen Ideenkreis. Die Sibyllen galten als Christi Vorboten im Heidentbum, wie die Propheten im Judenthum; die beiderseitigen Hauptgestalten hat Michel Angelo in abwechselnder Folge zum Schmuck der sixtinischen Kapelle verwandt, und in alten Hymnen steht die Sibylle neben David. Als Dienerinnen des Apollo, der Ilion beschittzt, berühren sie sich mit der troischen Sage; vorzugsweise die erythräische ²). Augustus, als Aeneade, hegte mit Vorliebe den Cultus des Apollo; in der 4. Ecloge
wird die anbrechende goldene Zeit als diesem Gott untergeben bezeichnet. Die ery-
67) Haupt, Zeitschr. für deutsches Alterthum, II, 310.
*s) Zappert a. a. O.
6⁰) Purgat. XXII, 70.
1⁰) Aen. VI. 376; vgl. Paurgat. VI, 29.
1¹) Georg. IV, 86, 87; Aen. II, 693— 98.
1*) Wenn man von den Sibyllen des Ida absieht; vgl. Preller, Röm. Mythologie, S. 272 u. a.


