Aufsatz 
Die Aeneis, die vierte Ecloge und die Pharsalia im Mittelalter
Entstehung
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könne sich damit rechtfertigen, dass er die Verkündigung einem falschen Gott in den Mund gelegt; in eigenem Namen spreche er anders: res romanae perituraque regna. Bekanntlich aber galt Vergil nicht blos als dem Christenthum befreundet, sondern wegen der 4. Ecloge geradezu als christlicher Seher unter den Heiden. Hierfür spra- chen schon seine mannigfachen Hinweise auf den durch Augustus hergestellten Welt- frieden. War das römische Reich eine Veranstaltung Gottes zur Aufnahme des Chri- stenthums, so diente der Kaiser höheren Zwecken, da er die Janushalle schloss. Con- stantin selbst sah in Vergil einen Verkündiger des Messias; Lactantius begründete diese Meinung näher 5⁶) und Augustinus führte sie nach seiner Art aus. S. Hieronymus zwar erklärt mit schärferem kritischem Geiste diese Mischungsversuche für kindisch, für Charlatanerie 5*); aber, in der Zeitrichtung tief begründet, erlangten sie die weiteste Ausdehnung. Die Abfassung geistlicher Vergiliocentonen wurde noch eifriger betrieben als derjenigen weltlichen Inhaltes. Zu Ende des 4. Jahrh. dichtete Proba Faltonia ihren Cento Virgilianus, historiam veteris et novi testamenti complexus, bestehend aus 300 Hexametern, deren fast jeder wieder aus vergilischen Halbversen geflickt ist ⁵⁸). Die Schrift erlangte solches Anschen, dass Pabst Gelasius I.(†⁵ 496) sie in seinem Decretum de libris recipiendis et non recipiendis für apokryph erklären musste. ⁵⁹) Noch im 17. Jahrh. fand man es lohnend, eine Sacra Aeneis zu dichten, wie Eti- enne de Pleurre(Paris 1618) oder einen Virgilius Christianizans, wie Alexander Rosse von Aberdeen(London 1638). Ging der erstere vom katholischen Standpunkt aus, so wurde unter Gustav Adolf auch der Versuch gemacht, eine Vergilische Mosaik in pro- testantischem Sinne abzufassen; 1630 erschien einChristlicher schwedischer Virgilius, oder des Röm. Reichs Standt und Beschaffenheit in unterschiedlichen versibus dess

Heydnischen Poeten Virgilii beschrieben.

⁵⁶) Lact. de institut- divina, VII, 24; Aug. de Civ. Dei X, 27.

37) Puerilia sunt haec et circulatorum similia; S. Hieron. Ep. ad Paulinum, 53.

*) Herausgegeben u. a. von Kromayer, Halle 1719. Die Verfasserin ist nicht zu verwechseln mit einer Matrone gleiches Namens, auf welche die bei Orelli I, 1131 mitgetheilte Inschrift sich bezieht; Nachweise gibt eine grundgelehrte Abhandlung von Thomas de Simconihus, die 1692 in Bologna erschien.

³*) Rossignol, Virgile et Constantin le Grand, XXXI