Aufsatz 
Die Aeneis, die vierte Ecloge und die Pharsalia im Mittelalter
Entstehung
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1455 Staatsrath bei Alfons von Neapel, hat in seiner Urania, wie Politianus in seiner Manto, die Sage vom Lorbeer behandelt.

Von den Abmahnungen christlicher Schriftsteller gegen das Lesen der Alten wurde auch Vergil betroffen. Tertullian weist die Grammatiker aus der Gemeinde, da ihr Unterricht von der Mittheilung heidnischer Fabeln nicht zu trennen sei. S. Hierony- mus, der sich wegen seiner Vorliebe für die Alten im Gewissen beunruhigt fand, hörte im Fiebertraum aus des Righters Munde die Strafworte: Ciceronianus es, non christia- nus ³⁵); er verliess Vergil, Plinius und Cicero, um Hebräisch zu lernen, stridentia an- helantiaque verba. 36) Auch berichtet er mit Unmuth: sacerdotes Dei vidimus tenere Virgilium. Zur Zeit Gregors des Grossen, der die Worte des himmlischen Orakels nicht unter die Regeln des Donat beugen wollte ³), mag der Gegensatz am stärksten gewesen sein. Der heil. Audoënus(St. OQuen), der 683 als Bischof in Rouen starb, fragt heftig:Von welchem Nutzen sind die Nänien der ruchlosen Dichter, Homer, Vergil und Menander? Beda Venerab. sagt zu Anfang seines Geschichtswerkès: Bella Maro resonet, nos pacis dona canamus, Munera nos Christi. Auch Notker meint: non sunt tibi necessariae gentilium fabulae; höchstens empfiehlt er daspallida mors des Horaz. ³⁸) Einen bezeichnenden Vorgang berichtet Radulphus Glaber ³³): Dem auf sein heidnisches Wissen stolzen Grammatiker Vilgard, der im 11. Jahrh. zu Ravenna lehrte, erschienen Dämonen in der Gestalt des Vergil, Horaz und Juvenal, die ihn in seinem Hochmuth bestärkten; er wurde später als Ketzer verurtheilt. Noch im 12. Jahrh. heisst es in einem Straflied gegen kirchliche Missbräuche: Verae pestilentiae cathedra tu sedes, Qui thebanas lectitas vel trojanas caedes. ¹⁰)

Aber dem Vergil gegenüber hielt die Feindseligkeit nicht Stand; ja eben unter

seinem und Cicero's Vorgang zog die altrömische Literatur in die christliche Schule

¹³) Ep. 22 ad Eustoch.; vgl. Heumann de Eestasi Hieronymi anticiceroniana, in Syll. Dissertatt., I, 655

²⁶) Epp. 126, 12.

21) Fischart(Gargantua 30) legt den Spruch einem Prior in den Mund: es sei unbilligHeyliger Ge- schrifft Majestat vnd Raht einschliessen inn die Regel vom Donat.

²⁸) Cetera vitandus, lubricus et vagus; Noiker, Notat. ad interpret. S. S.

²³⁴) S. Ozanam, Civilisation au V. siècle, II, 362.

*) Ch. Wright, Political songs cet, pag 208.