Aufsatz 
Die Aeneis, die vierte Ecloge und die Pharsalia im Mittelalter
Entstehung
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Silius Italicus hielt solche in hohen Ehren, ¹²) wie er auch des Dichters Geburtstag feierte und sein Grabmal in Neapel wie einen Tempel besuchte. ¹*) Aus Martial wissen wir, dass Vergils Bildniss den Abschriften seiner Werke als Schmuck beigefügt wurde; die Iden des October waren seinem Andenken geweiht. ¹¹) Alexander Severus hatte die Büste Maro's, den er den Plato unter den Dichtern nannte, in seinem zweiten Lararium. Auf dem Forum Trajani wurden seine Werke, wie noch Venantius Fortu- natus berichtet, öffentlich vorgelesen. Ebenda stand freilich auch ein um 400 errichtetes Denkmal Claudians mit einer Inschrift, welche rühmt, Derselbe habe eir ért Biνιαεεοο 60 H ⁸νσάσά Ouνov vereinigt. ¹15) In den Schulen wurden Themata aus Vergil zu Stylübungen ¹³⁶) amplificirt; ja schon im 1. Jahrh. begann man vergilische Verse und Halbverse zu Flickpoesien(Centonen) zusammenzustellen. Nach Tertullians Angabe hat Hosidius Geta, Consul unter Claudius I. ¹⁷), eine ganze TragödieMedea so zu- sammengestellt; wohl ohne Zweifel das Schriftstück in 462 Zeilen, das wir noch besitzen ¹⁸); ein Freund desselben Kirchenvaters behandelte das Gemälde des Cebes in gleicher Weise. Hierher gehören auch der Cento nuptialis des Ausonius und ein Epithalamium Fridi von Luxorius. Die vergilischen Centonen wären demnach älteren Datums als die aus Homer gezogenen(ounooxger0res), die sich als eigentliche frei- lich sehr armselige Kunstgattung erst im 5. Jahrhundert vorfinden. Und noch im sechzehnten stellten vier Landsleute des Dichters, sämmtlich von der Familie Capilupi zu Mantua, Centonen aus Vergil zusammen; der berühmteste, Lelio, behandelte das Mönchsleben, Lob und Tadel der Frauen, und einen medicinischen Gegenstand ¹⁹). Das Aufschlagen von Dichterstellen zur Erforschung der Zukunft wurde schon

frühe vorzugsweise auf Vergil angewandt, so dass diese Art von Mantie nach ihm

) Plin. Sec. Epp. III, 7.

) Martial. XIV, 186.

14) Mart. XII, 67; ebenso Ausonius: Octobres olim genitus Maro dedicat idus. ) Orelli, inscr. lat. coll., 1182.

16) Eine solche über Aen. XII, 653(s. in Meyers lat. Anthol).

17) Tiraboschi, Stor. lett. II, 437.

¹8) Wernsdorf, Poetae lat. min. VII, 441 seqq.; Meyer Anth. I, 81.

1°) Tiraboschi VII, 1406.