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beginnende Aera der Cäsaren verherrlichte, war bekannt; sie wurde von späteren Biographen noch übertrieben..
Man schrieb dem Augustus ein Gedicht zu, in welchem er sich rechtfertigt, dass er die Aeneis nicht, dem Willen des Dichters gemäss, habe vernichten lassen; ein Mach- werk, das noch Voltaire ⁵) für echt hielt und des Lobes werth fand. Schon damals beruhte die Schätzung der Aeneis nicht einzig auf ihrem dichterischen Werthe, sondern gleichmässig auf ihner wohlberechneten Tendenz. Das julische Haus fand hier seine Herrschaft an den mythischen Anfang des Staates geknüpft und seine Aufgabe als providentiell gepriesen. Die Stammsage wurde in dynastischem Sinn ausgebeutet, auch jener Proculus Julius herangezogen, der einst das Aufsteigen des Romulus vom Quirinal mit angesehen,⁰) sodann der Name der gens mit Jupiter in Verbindung ge- bracht.*) Der Werth, den Cäsar auf seine Abstammung von der Venus Genitrix legte, ist bekannt; bei Pharsalus gelobte er ihr den Tempel, den er später auf seinem Forum weihte.) Auf die Gültigkeit dieses Anspruches weist das Mittelalter gerne hin; so Heinrich von Veldeke in seiner Eneide,²) hier unabhängig von seinem Vorbilde Benoit de Sainte-More. Dante fügt zur Rechtmässigkeit der Erbfolge noch die freie Wahl, durch welche Rom dem Cäsar die Herrschaft übertragen. ¹⁰) Auch für andere Ge- schlechter, die sich troischen Stammes rühmten, die Cluentier, Clölier, Sergier hatte die Aeneadensage ihren Werth; es gab deren zu Augustus Zeit etwa fünfzig,¹¹) und noch im 13. Jahrh. sprach sich das Haus Frangipani, das bis zur Schlacht bei Scurcola treu ghibellinisch war, troische Ahnen zu.
So wirkte neben dem Kunstwerthe der Aeneis ihre Bedeutung für das kaiserliche Rom dahin, dass der Dichter über seine Genossen aus der augustischen Zeit gestellt
wurde. Bildnisse Vergils werden weit häufiger als diejenigen anderer Dichter erwähnt
²) Essay sur la poêsie épique, chap. 3; vergl. Heyne, Virg. opp. V, 339. ³) Preller, Rôm. Mythologie, S. 698. ¹) Aurel. Victor. Orig. gr. 15; vergl. Klausen, Aeneas und die Penaten II, 1081. ²) Becker, Handb. d. röm. Alterth., I. 363 fl. ²) En. V. 13183.— Eneide(nicht Eneit) schreibt Veldeke; er reimt das Wort mit warheide, V. 375. ¹*) Cesare per voler di Roma il tolle; Parad. 6, 57. 11) Dionys. Halic. I, 85; Troiugenae bei Juvenal I, 99. 1*


