Aufsatz 
Beitrag zur philosophischen Propädeutik auf Gymnasien
Entstehung
Einzelbild herunterladen

J.

Beitrag zur philoſophiſchen Propädeutik auf gymnaſien.

Der 22. Verſammlung deutſcher Philologen, Schulmänner und Orientaliſten in Meißen(1863) hat Rektor Dietſch folgende Theſe vorgelegt, die leider nicht zu weiterer Ceürterung und Diskuſſion gekommen iſt:

Ueber die philoſophiſche Propädeutik in den Gymnaſien ſind ſo entgegengeſezte Anſichten auf⸗ geſtellt und mit deren Methode ſo viele Experimente gemacht worden, daß es an der Zeit ſcheint, über die beiden Fragen: 1) ſoll die philoſophiſche Propädeutik auf den Gymnaſien beibehalten werden? und 2) wie iſt ſie am beſten zu lehren? einen Beſchluß herbeizuführen.

Was die erſte dieſer beiden Fragen betrifft, ſo ſtehe ich keinen Augenblick an, mich mit dem Antragſteller ganz entſchieden für Bejahung derſelben und für die Behandlung der philoſophiſchen Propädeutik als eines beſondern Unterrichtsgegenſtandes zu erklären, und zwar nicht bloß aus ſubjektiver Vorliebe für die Sache oder aus abſtrakten Gründen, ſondern mehr noch auf Grund konkreter Erfahrungen.

Zu der Zeit, als ich meine Gymnaſialſtudien in Preußen zurücklegte, zweifelte man noch nicht darur daß dem Gymnaſium auch die Aufgabe zufalle, ſeine Zöglinge zu dem Studium der Philoſophie gehörig vorzubereiten, und ebenſowenig daran, daß zu dieſem Zwecke die methodiſche Behandlung der einzelnen Unterrichtsgegenſtände allein nicht genüge, ſondern daß vielmehr vor dem Uebertritte der Schüler zur Univerſität auch eine ſpezielle philoſophiſche Propädeutik nöthig ſei, die ſich weſent⸗ lich auf die formale Logik und wohl auch auf die Hauptmomente der empiriſchen Pſychologie er⸗ ſtreckte. Und ich weiß, welche nachhaltige Anregung des philoſophiſchen Intereſſes wir dadurch em⸗ pfingen. Auf der Univerſität betrieb ich, weil es mir Bedürfniß war, dasſelbe kann ich von befreundeten Kommilitonen der verſchiedenſten Fakultäten ſagen philoſophiſche Studien mit gleichem, ja eine Zeitlang ſogar mit größerm Intereſſe als die eigentlichen Fachſtudien; und ich habe es wahrlich niemals bereuet. Wie würzten jene unſere Unterhaltung, wie waren ſie Sporn und Antrieb für die Idealität des geiſtigen Strebens überhaupt, ſowie auch für ein eingehendes, gründ⸗ liches Vertiefen in die Gegenſtände unſeres Fachſtudiums!

1