Segen bringen, wenn der Lehrer gelegentlich auf diesen oder jenen Paragraphen des einge- führten Handbuches verweisen kann. Aber auch einem in grammatischen Dingen unvoll- kommenen Schüler muss es ohne Schwierigkeiten möglich sein, seine Lücken auszufüllen. Die Notwendigkeit eines Leitfadens für die Klassen von Quarta ab also scheint uns erwiesen zu sein.
Wir wenden uns also zur zweiten Frage: Wie muss ein solches Lehrbuch beschaffen sein? Da ist es denn vor allem klar, dass die Ansichten über das bestimmte Mass des Not- wendigen, wie bei allen Lehrbüchern, so auch hier, in Einzeldingen auseinandergehen. Eines aber scheint uns für einen einsichtsvollen Schulmann eine unumstössliche Forderung zu sein, dass nämlich die Fassung der Regeln eine klare und bündige sein muss. Wir fordern aber ferner noch, dass das Buch gut gewählte, dem Anschauungs- und Lernkreise der Schüler ent- nommene Beispiele enthalte, und dass jeder unnötige Ballast aus ihm ferngehalten werde. Es kann nun im folgenden nicht unsere Aufgabe sein, eine auch nur grössere Zahl der be- kanntlich nicht wenigen deutschen Schulgrammatiken zu besprechen; denn dies würde uns weit über unser Thema und über den uns gestatteten Raum hinausführen.¹) Nur über einige derselben möge ein kurzes kritisches Wort hier Platz finden.
Die Grammatik von Engelien ²) ist zwar zum Gebrauch der Schüler zu umfangreich; für den Lehrer aber ist sie ein vorzügliches Buch, besonders wegen der Fülle von trefflichen Beispielen, die man nach oben ausgeführter Methode dem Unterrichte zu Grunde legen kann. Hervorheben wollen wir unter anderen den trefflich gearbeiteten Abschnitt über die Konstruktion der Präpositionen. Ebenfalls eine gute Grammatik ist die von Wilmanns. 3) Sie bietet neben ge- schickt ausgewählten Beispielen auch viele Materialien zu mündlichen und schriftlichen Ubungen. Nur müsste sie etwas gekürzt werden. Wir denken uns dies so, dass man, wie dies neuerdings Gerth, Römer u. a. mit gutem Erfolge für die altklassische Grammatik gethan haben, neben der ausführlichen, für den Lehrer bestimmten Grammatik, eine kurzgefasste Be- arbeitung für den Schulgebrauch herausgeben sollte. Unter dieser Voraussetzung allein können wir auch die vorzügliche Grammatik von Bauer-Duden ⁴) für den Gebrauch der Schüler em- pfehlen. Ja sie scheint uns, in einer solchen, wesentlich verkürzten Ausarbeitung, sogar die empfehlenswerteste zu sein; sie gibt über alles Notwendige klaren Aufschluss und belehrt namentlich auch über das Richtige bei schwankendem Sprachgebrauche, Für die Schulaus- gabe wäre, um nur ein Beispiel zu erwähnen, der Abschnitt von der Wortbildungslehre (§ 85— 10¹) wesentlich kürzer zu gestalten.
Von dieser Absicht, nur das Notwendige zu geben, war auch Knauthé) geleitet. In seinem, 36 Seiten starken, Büchlein giebt der Verfasser das Wichtigste aus der Laut-, Wort- und Satzlehre, wobei er gelegentlich auf verwandte Erscheinungen im Lateinischen, Griechischen und Französischen verweist. Auch Beispiele führt er an; nur leider zu wenige, besonders für die Satzlehre. Uberhaupt hat ihn sein Bestreben, das Unerlässliche allein zu bieten, zu weit geführt. Würde dies bei neueren Auflagen durch einige Ergänzungen geändert, so dürfte das Buch für den Unterricht sehr brauchbar werden. Auch könnte es, wenn die wenigen griech- ischen Beispiele„egdslen, für das Realgymnasium mit gebraucht werden. Zu Repetitionen haben wir die von Hopf und Paulsiek ihren Lesebüchern beigegebenen grammatischen An- hänge wohl gelegentlich nicht ohne Nutzen verwendet. Doch möchten wir im übrigen 0 Richter a. a. O. beistimmen, der sie für den eigentlichen Unterricht zu knapp erklärt. Endlich findet der Lehrer zur praktischen Einübung durch Musterbeispiele einen reichen Vorrat bei Brümmer. ⁴) Seine Mustersätze sind teils aus der Bibel oder aus Dichtern entlehnt, teils sind os gut ausgewählte Sprichwörter.
¹) Im übrigen verweisen wir auf das mehrfach erwähnte Buch von O. ERichter.
¹) Grammat. der neuhochd. Spr. für höhere Bildungsanstalten, Berlin 1867.
³) Deutsche Grammat. für die Unter- u. Mittelklassen höherer Lehranstalten. Berlin 1878. ⁴) Grundzüge der neuhochd. Grammatik, 19. Aufl. von K. Duden, Nördlingen 1882.
⁵) Kleine deutsche Grammatik für Gymnasien, Berlin 1884.
6) Geordnete Sammlung von Musterbeispielen, Berlin 1876.


