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Friedrichsfeld, Friedrichsruhe, Karlsruhe, Ludwigsburg u. s. f. heisst, wie sich dagegen die Bil- dung von Schillerhöhe, Goetheruhe, Körnereiche erklärt, so dient dies mit zur Stärkung ihres Sprachgefühls. Auch schadet es keineswegs, wenn man gelegentlich, vielleicht gegen Ende einer, mit strenger grammatischer Arbeit ausgefüllten, Lehrstunde einen Blick wirft auf den Schülern nahe liegende Ortsbezeichnungen und auch diese für die Vertiefung des gramma- tischen Verständnisses zu verwerten sucht; z. B., wenn man ihnen Namen, wie Kirdorf, Loch-
vergleichen. Auch auf die Geschichte mancher Worte wie z. B. einfältig; frech; der Knecht; Dienstmann u. s. f. wird man bei solchen Wortanalysen zwanglos und gerade darum um so belebender eingehen können.— Auf diese und auf ähnliche, mannigfach noch zu wechselnde, Art wird ein solches Zerlegen, das sonst allzusehr an ein lebloses Anatomieren erinnern möchte, zu einer vielfältig fördernden und anregenden Ubung.
Die Unterweisung in der deutschen Grammatik ist aber zweitens auch eine mittel- b are, und zwar besteht sie erstens: in den gelegentlichen Bemerkungen zur deutschen Lektüre, und zweitens: in der Besprechung der Korrekturen der deutschen Arbeiten. Was zunächst die Anknüpfung grammatischer Bemerkungen an die Lektüre betrifft, so dürfen sich dieselben natürlich nur auf dasjenige beziehen, was unbedingt der Erklärung bedarf, Dies sind aber ganz besonders auffallende, vorzüglich in der poetischen Lektüre vorkommende. Abweichungen von der hochdeutschen Schriftsprache, über die wir den Schülern nicht weniger eine Erläuterung geben müssen, als über die sachlichen oder prosodischen Einzelheiten. Hier bietet sich aber ganz besonders willkommene Gelegenheit, auf die goldenen Schätze unserer reichen Muttersprache aufmerksam zu machen, da natürlich Dichter, wie Goethe, Bürger, Uhland u. a. sehr häufig Ausdrücke aus der lebendigen Sprache des Volkes oder aus früheren Sprachperioden in ihre Werke aufgenommen haben. Hierher gehören beispielsweise Verse wie: „Fest gemauert in der Erden“,(Schiller); oder„zum Hochamte rufte dumpf und klar“ (Bürger);„Die Jagdlust mag euch bass erfreu'n!“(Bürger) und vieles andere dergleichen. Der gebildete Mann muss sich unbedingt Rechenschaft über solche Formen geben können. Auch in der dramatischen Klassenlektüre ¹), besonders bei Goethe, werden häufig genug solche Fingerzeige notwendig sein.
Von ausserordentlicher Bedeutung aber, und zwar in erster Linie für die mittleren und oberen Klassen, ist die planvolle Behandlung der die Grammatik betreffenden Korrek- turen der deutschen Arbeiten. Dass hier nicht der Ort ist, über die verschiednen Methoden bei der Zurückgabe der korrigierten Aufsätze zu sprechen, ist einleuchtend; nur die Besprech- ung der grammatischen Fehler kann uns jetzt beschäftigen. Wackernagel ²) empfahl, unter dem Aufsatze die in demselben vorkommenden grammatischen Fehler nebst ihrer Berichtigung in Form einer Tabelle zusammenstellen zu lassen, eine Einrichtung, die wir seit einiger Zeit mit gutem Erfolge bei unseren Schülern getroffen haben. Die Fehler treten ihnen dadurch mehr vor Augen; auch können die Berichtigungen ohne Mühe rasch übersehen werden, was von dem nur am Rande angebrachten, besonders, wenn sie zahlreich sind, nicht gesagt werden kann. Zur Veranschaulichung geben wir hier eine solche Tabelle:
Falsch. Richtig.
Der Schnee schmelzt.... sehmilzt. Sie sandten ihn...... zum Feldherrn als Feldherrn
Reichliche Gäste Zahlreiche Gäste u. s. w.
1 Vgl. darüber u. a. Berl. Zeitschr. f. d. Gymnas. W. 1869, Aufs. von Wilmanns. 5 Unterricht in der deutsch. MHuttersprache p. 97..


