den Zeitverhältnissen heraus geboren werden. Auch über diesem Drama liegt, wie über Herodes und Mariamne“ ein magisches Dunkel ausgebreitet.
Mittlerweile hatte der Dichter, der übrigens ein anmutiges Heim bei Gmunden erworben hatte, endlich die Ruhe gefunden, die es ihm möglich machte., auf der Höhe seines Geisteslebens auch die Höhe des dramatischen Schaffens zu erklimmen. Sieben Jahre lang, 1854— 1861, arbeitete er an seiner Nibelungen-Trilogie, die wohl allgemein als sein hervorragendstes Meisterwerk bezeichnet wird. Hier ist der Dichter in seinem eigentlichen Element. Das Derbe. Kraftvolle, Trotzige, Düstre, Dämonische seiner Natur: Hier konnte er es seinen dramatischen Gestalten einhauchen und aufprügen. So ist denn beispielsweise der Charakter Hagens in keiner uns bekannten Nibelungendichtung so vorzüglich. be- sonders nach seiner dämonischen Seite hin, gezeichnet, wie von Hebbel. Auch die anderen Personen, besonders auch Brunhilde, sind naturgetreu dargestellt. Der Dialog ist straff und logisch scharf. Die Exposition ist geradezu meisterhaft. Das Hauptverdienst unseres Dramatikers besteht aber darin.„die richtige Uberleitung vom Mythischen ins Geschicht- liche und Menschlicher gefunden zu haben. Es ist ihm gelungen, die Gestalten der alten Sage unsrem Herzen näher zu bringen. Dabei ist er überall selbstschöpferisch, wie z. B. bei der Wette im Steinwurfk im Vorspiele. Auch der versöhnliche Schimmer des Christentums. der über die eisig-düstre Nacht des Heidentums ausgegossen ist. verleiht dem Drama einen besonderen Reiz.*)
Das Werk wurde durch Dingelstedts Bemühungen und die Huld des Grossherzogs von Weimar im Mai 1861 in der freundlichen Ilmresidenz aufgeführt. Die Begeisterung des Publikums war eine gewaltige. Die Tage in Weimar aber, wo des Dichters Gattin als Tragödin zu seinem Ruhme so ausserordentlich beitrug. zühlten zu den schönsten seines
ganzen Lebens.
AIs letztes dramatisches Werk haben wir den unvollendet gebliebenen Demetrius zu erwühnen. Er unterscheidet sich hauptsächlich darin von dem Schiller'schen. dass der Prütendent nach Hebbel kein Betrüger. sondern ein Betrogener ist, der von der be- treffenden Partei nur als Werkzeug bpenützt werden soll und dann, als ihm diese Rolle klar wird. zusammenbricht. Die Volksszenen und Volkstypen, besonders auch die verschie- denen Vertreter der Geistlichkeit. sind geradezu vortrefflich ausgestaltet. Überhaupt ge- hört das Stück zu den Meisterdramen Hebbels.
War die erste Lebensepoche unsres Dichters reich an Tragik, so gestaltete sich auch sein Lebensabend tragisch. Geplagt von der entsetzlichen Krankheit einer Knochenerweichung, verbunden mit Rheumatismus. zugleich geschwächt infolge der vielen Entbehrungen in seiner Jugendzeit, siechte er dahin.
Als er, ein gebrochener Mann, am Schillertage 1863 aus Berlin die Nachricht er- hielt, dass ihm für seine Nibelungen der Schillerpreis zuerkannt worden sei, schrieb er in sein Tagebuch:„Das ist Menschenlos, bald fehlt uns der Wein, bald der Bechern. Das Ende
*) UÜber die Behandlung der Hebbel'schen Dramen in den oberen Klassen unserer höheren Lehran- anstalten spricht neuerdings O. Lyon in der Zeitschrift für den deutschen Unterricht, Januar 1905. Mit dem dort Gesagten stimmen wir überein.


