Aufsatz 
Friedrich Hebbel, ein Vorkämpfer für das neuere deutsche Drama.
(Nach einem Vortrage.)
Entstehung
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sollte glücklicherweise nicht mehr lange auf sich warten lassen. Am 13. Dezember, während

gerade ein furchtbarer Schneesturm die Strassen Wiens durchtobte, man möchte es fast ein symbolisches Zeichen nennen. hauchte der kampfesmüde Dichterrecke seinen Geist aus.

Selten ist ein Dichter während seines Lebens und noch darüber hinaus so ver- schiedenartig beurteilt worden, wie Hebbel. Während ihn die einen masslos verherrlichten und ihn unmittelbar neben Shakespeare stellten, wussten die andren nicht genug an ihm zu mäkeln. Bald iüberragte nach ihrem Urteil in ihm der alles zergliedernde Philosoph den Dichter, oder sie wussten nur von seiner Hinneigung zum Düsteren, Schaurigen und Gräss- lichen zu erzüihlen; oder sie fanden in ihm nur Ansätze zu einem grossen Dramatiker. ohne dass er zur Ausreifung gekommen wäre. Gehen wir mit wenigen Worten zum Schlusse auf die Frage ein: Wie erscheint uns der Dramatiker Hebbel? Wir sehen in ihm einen hochbegabten Dichter und feinsinnigen Künstler, der stets nach dem Höchsten strebte. der aber in diesem, seinen heiligen Eifer durch das Bleigewicht der Armut niedergedrückt und durch traurige Erfahrungen jeder Art gehemmt wurde. Seine Ausbildung war zundächst eine mangelhafte und konnte später uur unvollkommen ergänzt werden. Die traurigen Eindrücke seiner Jugend verstärkten seinen Hang zur Schwermut und seinen Pessimis- mus. Trotz alledem war er durch und durch ein dramatischer Künstler, der uns wahre Meisterwerke geschaffen hat. Vor allem sind seine grossen Dramen, besonders Herodes und. Mariamne und die Nibelungen, als vorbildlich für die späteren realistischen Dramatiker zu bezeichnen. Er ist ein kühner und rastloser Bahnbrecher des modernen Dramas. Mögen unsre jüngeren Dichter ihn mehr und mehr erkennen und verstehen lernen und, weiter- bauend auf den von ihm gelegten Grunde, das künftige klassische Deutsche Drama schaffen!

Anmerkung. Bei dem Vortrage wurden, abgesehen von den Tagebüchern und den älteren Arbeiten von Kuh, Bambe rg und Krumm, besonders die Publikationen von Bartels und Specht zu Rate gezogen, während die anderen Abhandlungen und Aus- gaben von Werner u. a. noch nicht benützt werden konnten.