Aufsatz 
Friedrich Hebbel, ein Vorkämpfer für das neuere deutsche Drama.
(Nach einem Vortrage.)
Entstehung
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wenn Hebbel trotz alledem die Aufführung seiner Meisterdramen auf der Bühne des Burg- theaters durchsetzte. Gutzkow. der. wie immer, reizbar und verdriesslich war. konnte ebensowenig als sein Freund bezeichnet werden. Selbst der sonst so milde Grillparzer be- trachtete seine Erfolge mit neidischen Blicken. Ihm war wohl Hebbels Natur zu schroff und vulkanisch. Heine dagegen stand ihm sympathisch gegenüber und sprach freundliche Worte über seine Judith. Innige Freundschaft verband ihn mit dem Wiener Emil Kuh und mit Felix Bamberg.

Am 17. Dezember 1851 erschien sein neues Drama:Agnes Bernauer, das im folgenden Jahre unter der Leitung von Franz von Dingelstedt am Münchner Hoftheater seine erste Aufführung erlebte. Wir haben es hier mit einem Stück zu tun, das, besonders in seinen Volkstypen, vielfach an Shakespeare und an Goethes Götz erinnert. Wir ver- weisen in dieser Bezichung nur auf den kostbaren Bader Caspar Bernauer und seinen Gesellen Theobald. Das echt volkstiimliche Drama, das Ad. Bartelsdas deutscheste unsrer Dramen nennt, behandelt den Konflikt zwischen dem Rechte der Liebe und den Rechten der Staatsraison, in welchem Agnes auf so tragische Weise ihren Tod findet. Durch mancherlei Intriguen kam es, dass das Stück bald wieder von der Münchner Bühne verschwand.

Das TrauerspielGyges und sein Ringr. von manchen als der Gipfelpunkt seines dramatischen Schaffens bezeichnet, welcher Beurteilung wir übrigens nicht zustimmen können, behandelt einen sehr delikaten Gegenstand. In der Hauptsache ist der Stoff aus Horodot entnommen. Der Lyderkönig Kandaules, der Gemahl der wunderbar schönen Rhodope, zeigt seinem Günstling, dem Griechen Gyges, unter Benützung eines Unsicht- barkeit verleihenden Zauberringes, die unverschleierten Reize seines, von ihm innigstge- liebten Weibes. Allein infolge einer Bewegung des wonnetrunkenen Beobachters wird Rho- dope der Anwesenheit des Fremdlings in ihrem Gemache inne. Sie stellt nun, beleidigt. in ihrer Frauenehre und doch von einem unerklärlichen Gefühle durchbebt, die Aufgabe. Gyges solle entweder Kandaules töten und sie heiraten oder sterben. Der griechische Jüngling tötet seinen Gönner im ehrlichen, von diesem frei zugestandenen Zweikampfe und reicht Rhodope die Hand. Diese aber ersticht sich vor seinen Augen am Altare der Hestia., nachdem sie ihn vorher zum Nachfolger des Kandaules gemacht hat.

Der König hatte im überschäumenden Stolze über das schöne, ihm zugchörende Weib, im übertriebenen Vertrauen auf die Festigkeit und Dauer ihrer Liebe, den Freund. zum Zeugen seines Glückes gemacht. Er hat sich mit Schuld beladen, denn er hat das Heiligtum der Ehe entweiht. Rhodope aber ist, nachdem Kandaules sein Verschulden ge- sühnt hat, nicht imstande. Gyges anzugehören. Sie will jetzt, nach der Sühne, dem Toten

die Treue über das Grab hinaus bewahren.

Zu verkennen ist wohl nicht. dass wir in diesem Drama mit seinem Mystizismus und Symbolismus die Wurzeln zu den mystisch-symbolischen Stücken unsrer Tage, wie beispielsweise denen des jetzt so oft genannten Mäterlink. zu erblicken haben. Unerwähnt soll nicht pleiben, dass das besprochene Drama auch eine politische Tendenz hat. Kan- daules will seinem Volke ein Reformator sein. Allein er ist dieser Aufgabe nicht ge- wachsen. Reformen können nicht künstlich gemacht, sie müssen aus dem Volke und aus