Aufsatz 
Friedrich Hebbel, ein Vorkämpfer für das neuere deutsche Drama.
(Nach einem Vortrage.)
Entstehung
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folge der wahrhaft edlen Behandlung seitens der jungen Frau, ihren inneren Frieden wie- derfand und, wenn auch nach schweren Seelenkämpfen, Entsagung übte. Gewiss zwei seltne. bewunderungswürdige Frauen. Rasch, wie in allen derartigen Fällen, war die grosse Menge mit schroffem Vorurteile auf dem Platze. Allein man kann die Sache betrachten, wie man will: man kann den Dichter vom wahrhaft menschlichen Standpunkte nicht verurteilen. Als Elise im Jahre 1854 starb. schrieb der Dichter in sein Tagebuch:Welch ein verworrenes Leben, wie tief mit dem meinigen verknüpft, und doch gegen den Willen der Natur und ohne den rechten inneren Bezugu.

Sehen wir von den unbedeutenden kleineren Dramen, wie:Ein Trauerspiel in Sizilien.Ju lia undDer Rubinr und den dramatischen Fragmenten ab, so haben wir als erstes Stück der neuen Lebens- und Schaffensepoche das gewaltige Drama:Hero- des und Mariamner zu besprechen, dessen letzter Akt unter den Stürmen und Barri- kadenkämpfen der Märzrevolution in Wien entstanden war. Der kulturgeschichtliche Hinter- grund, das zusammenbrechende Heidentum, der hell aufsteigende Stern des Christentums. sind meisterhaft gezeichnet; dazu ist die Entwickelung, besonders die psychologische, vor- trefflich. Der Stil ist knapp: die Sprache markig. Die Charakteristik, besonders des- nigspaares, aber auch der Alexandra und der Salome, ist vorzüglich. Die Aufführung, wenn tüchtige Schauspieler mitwirken, hinterlässt einen nachhaltigen, erschütternden Eindruck. Was wollte der Dichter mit seinem Stücke? Er wollte zeigen, dass unbegründetes Miss- trauen und Eifersucht den stärksten Liebesbund erschüttern und wohl auch zerstören können. Als Mariamne zum ersten Male inne wird. dass Herodes sie während eines Kriegszuges überwachen lässt, da ist ihr Stolz verletzt. aber sie verzeiht ihm. Als er aber ein zweites Mal. als ihn der Römer Antonius zur Hilfeleistung gegen Oktavian aufruft, ihr einen ge- heimen Aufpasser zur Seite stellt, und abermals das Geheimnis von ihr durchschaut wird. da büumt sich ihr ganzer Trotz auf: Liebe verwandelt sich in Hass, und sie veranstaltet ein glänzendes Fest, das sie. selbst als der totgesagte Herodes zuräckkehrt, nicht verlässt. Sich zu verteidigen gegen des Königs Anschuldigungen der Untreue, ist sie zu stolz. Sie bleibt stumm. Von den dazu berufenen Richtern verurteilt, verharrt sie unerschüttert in düsterem Schweigen. Vorher schon schleudert sie dem Könige die Worte zu:Du hast in mir die Menschheit geschändet: meinen Schmerz muss jeder teilen, der Mensch ist. wie ich selbst.

Nur dem Römer Pitus enthüllt sie wenige Augenblicke vor ihrem Todesgange ihre Unschuld. Er muss ihr versprechen, Herodes nichts zu sagen. Diesen Schwur bricht. er, indem er dem Könige gegenüber die herrlichen Worte spricht:Es tut mir weh, dass ich Dir mehr als Henker werden muss; doch wenn es heil'ge Pflicht ist, einen Toten, wer er auch immer sein mag. zu bestatten. so ist die Pflicht noch heilger, ihn von Schmach zu reinigen, wenn er sie nicht verdient, und diese Pflicht gebeut mir jetzt alleinn.

Ehe wir zum folgenden Drama übergehen, möge an dieser Stelle ein kurzes Wort gestattet sein über die Stellung, die die sogenanntenJungen Deutschen, die Männer, wie Laube, Gutzkow u. a. Hebhel gegenüber einnahmen. Leider ist hier wenig Tröstliches zu berichten. Besonders der Verfasser derKarlsschülern verfolgte den kühnen Drama- tiker mit Missgunst und kleinlichem Neide, und ihm war es wahrlich nicht zu verdanken,