Aufsatz 
Friedrich Hebbel, ein Vorkämpfer für das neuere deutsche Drama.
(Nach einem Vortrage.)
Entstehung
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Schon mehr lernte er bei Christian Detlefsen, dem Hauptlehrer der neuen Elementarschule, der ihm seine bescheidne Privatbibliothek zur Verfügung stellte.

Im November 1827 starb der Vater und hinterliess die Seinen in solcher Armut, dass, um die Begräbniskosten zu bestreiten, die notwendigsten Hausgerätschaften und selbst ein Teil der Kartoffeln verkauft werden mussten. Die Armut war nun noch grösser, aber der Geist war frei.

Er kam nun zu dem Kirchspielvogte Mohr. Dieser nahm den Knaben fürEssen und Trinken, ohne Wäsche ins Haus und liess ihn Protokolle schreiben. Man muss auch hier seine Tagebiücher lesen, um zu ermessen, in welch' unwürdiger Weise er von diesem, seinem Beschützer, ausgenützt wurde. Er nennt esdas grösste Unglück seines Lebens. Dieser liess ihn mit seinen Dienstboten am gleichen Tische essen und unter der Boden- treppe schlafen.

Das erste Gedicht, das seine poetische Begabung weckte, ist merkwürdiger Weise UhlandsDes Sängers Fluch. Der schwäbische Dichter behandelte ihn, als er sich ihm brieflich zu nahen suchte, kalt, was ihn tief schmerzte. Schon in Wesselburen verfasste er einige seiner bekanntesten Gedichte, wie z. B.Das alte Haus u. a. m. Daneben war er bemüht, nach Kräften als Autodidakt die Lücken seiner Bildung auszufüllen.

1835 wurde er mit Amalie Schoppe bekannt, der Herausgeberin derPariser Modeblätters, einer in manchen Dingen beschränkten und dabei eifersüchtigen Frau, die ihm das Leben gründlich vergällte, wiewohl er durch ihre Vermittlung von einigen Ham- burger Patrizier-Familien die Mittel erhielt, sich zum Besuche der Universität vorzubereiten. Durch Amalie Schoppe erhielt er bei den Eltern von Elise Hensing, einer fleissigen. braven, aber geistig weit unter ihm stehenden Näherin, Kost und Wohnung. Sie liebte ihn mit allen Fasern ihres Herzens, obwohl sie zehn Jahre älter war, und wurde in der Folge- zeit seine Beschützerin, sein rettender Engel in mancher verzweifelten Lage, aber auch. wie leicht erklärlich, das Bleigewicht, das sich an seine Fersen heftete. Sie lebten in wilder Ehe und waren oft namenlos unglücklich, besonders, als mehrere Kinder geboren wurden und rasch starben. Allein trotz alledem muss es gesagt werden: Elise Hensing rettete den grossen Dramatiker Hebbel vor dem Ruin.

In Heidelberg, wohin er sich 1836 begab, hörte er juristische Kollegien, z. B. bei dem berühmten Thibaut; allein da die Rechtswissenschaft ihn nicht befriedigte, sie- delte er bald nach München über. Mittlerweile hatte er einen wirklichen Freund kennen gelernt, den jungen Rousseau, den Sohn eines Appellationsgerichtsrates in Ansbach. An ihm hing er mit schwärmerischer Liebe, von der viele Stellen seiner T agebücher zeugen. die überhaupt, wir wiederholen es, als die vornehmste Quelle für die Erkenntnis seines Wesens zu betrachten sind. Sein dreijähriger Aufenthalt in München stellt wohl die trost- loseste Epoche seines, an Widerwärtigkeiten und Drangsalen so überreichen Lebens dar. Wie der gewöhnlichste Tagelöhner, lebte er fast nur von Brot und Kaffee, trug die ärm- lichste Kleidung und hielt sich nur durch seine Studien in den Kunstmuseen und durch seine schriftstellerischen Arbeiten aufrecht. Es ist ein Jammer, die bezüglichen Auf-