Stellung in der Gesellschaft, und ohne seine Gunst würden nicht einmal ihre Namen auf die Nachwelt gekommen sein. Sehr bekannt ist die Thatsache’, dass er einst Colletet fünfzig pistolen übersandte für drei Verse im Prolog der„Comédie des Tuileries“, die ihm ausser- ordentlich gefielen. ¹)
Nicht weniger als Poesie und Wissenschaft erfreuten sich die plastischen Künste der Gunst des Cardinals. Beim Bau seiner eigenen Schlösser beschäftigte er die besten Maler und Bildhauer. Sein Schloss in Ruel, welches von einem schönen mit italienischen Wasser- künsten ausgestatteten Park umgeben war, das petit-Luxembourg, und vor allem das Palais- Cardinal enthielten zahlreiche Meisterwerke der bekanntesten Künstler. Er war ein eifriger Sammler, und mannigfache Gegenstände aus seinen Sammlungen, welche in den grossen Museen Europa's zu sehen sind, beweisen seinen feinen und nicht gewöhnlichen Geschmack.— Das Palais-Cardinal, später Palais-Royal genannt, wurde im Jahre 1629 erbaut, da dem Cardinal das Petit-Luxembourg zu klein war und nicht mehr recht würdig schien. Er legte auf seine innere und äussere Ausstattung viel Wert und übertrug den Bau dem grössten Architekten des 17. Jahrhunderts, Lemercier. In diesem Palais befanden sich zwei Bühnen, eine grössere und eine kleinere, welche für die eigenen Stücke des Cardinals eingerichtet wurden. Dieses Theater des Palais-Cardinal war damals das einzige in Paris, das eigens zur Aufführung von Stücken erbaut worden war. Die meisten übrigen Theater, wie das Hôtel de Bourgogne, das Théätre du Marais, waren nur notdürftig ausgestattet. Richelieu besass eine grosse Leidenschaft für's Theater; inmitten der rauschendsten Hoffestlichkeiten war eine gute Vorstellung sein liebstes Vergnügen. Er gewährte auch den verschiedenen Truppen Sub- ventionen und ermöglichte so ihre Existenz. Das Hôtel de Bourgogne erhielt eine jährliche Pension von 12,000 Fr., das Théatre du Marais, unter Mondory, für welches Richelieu sich besonders interessierte, während der König mehr das Hoôtel de Bourgogne, die troupe royale par excellence, bevorzugte, eine von 2000 2). Auf seiner eigenen Bühne sah der Cardinal meistens solche Stücke, welche bereits im Marais aufgeführt worden waren; dort fanden die grossen prunkhaften Vorstellungen des Königs und des ganzen Hofes statt; dort wurden zum ersten Male die Stücke der fünf Autoren und die andern vom Cardinal beeinflussten Dramen gegeben. Nach dem Register der Gazette sah der Hof dort auch einige Opern und Ballets ⁵). Wir können uns leicht vorstellen, dass jeder Dichter es als die höchste Ehre ansah, in diesen Musentempel eintreten zu dürfen und dort vom Premierminister empfangen zu werden. Sollte er nicht von der Hoffnung begeistert sein, dass auch sein Werk vielleicht für würdig einer Aufführung im Palais-Cardinal gehalten würde!„Tous ceux, sagt Pellisson¹), qui Se sentaient quelque génie, ne manquaient pas de travailler pour le théàtre; c'était le moyen d'approcher
¹) Es sind die Verse— es handelt sich um die Schilderung eines Teiches— La cane s'humecter de la bourbe de l'eau D'une voix enronée et d'un battement d'aile. Animer le canard qui languit auprès d'elle. Richelien wollte s'ihumecter durch parboter ersetzen, aber die ursprüngliche Fassung blieb. 2) Despois: Le Théätre Français sous Louis XIV. Paris 1886³, pag. 102. ¹) Dussieux, Le Cardinal de Richelien, Etude Biographique. Paris 1886, pag. 248. 4) Histoire de„Académie Francaise par Pellisson und d'Olivet, avec une Introduction ete. par M. Ch. L. Livet- Paris 1858. I, 81.


