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des grands et d'etre favorisé du premier ministre.“ In keiner Zeit entstanden so viele Dramen wie damals:), allerdings sind die meisten höchst mittelmässig.
Richelieu, nicht zufrieden damit, für einen Beschützer der Poesie zu gelten, indem er die dramatischen Talente begünstigte, nicht zufrieden mit dem Rufe eines Mäcen, wollte noch den Ruhm eines Dichters erwerben. Da es ihm aber an Zeit fehlte, selbst Stücke zu schreiben, wählte er fünf bekannte Schriftsteller aus, setzte ihnen einen Stoff auseinander und übertrug jedem einen Akt behufs Umsetzung in Verse;— eine seltsame Erscheinung, welche uns zeigt, wie wenig der Cardinal mit der inneren Natur des Dramas bekannt war. Was sollen wir von einem Drama erwarten, das auf eine solche Weise entstanden ist? Kann in ihm die Einheit der Handlung, der wesentlichste Punkt jedes Dramas, gewahrt sein? Die Charaktere sind eine individuelle Schöpfung des Dichters und müssen sich selbst im ganzen Stücke treu bleiben; bei der sorgfältigsten Beratung und Besprechung werden fünf Dichter, die an demselben Drama arbeiten, dieser Forderung nicht genügen können.
Die fünf Autoren waren Boisrobert, Corneille, Colletete), de l'Estoile?),
¹) Wenn man nach Parfaict, Histoire du Théatre Français, Vol. IV-VI eine Statistik der Stücke aufnimmt, die jährlich erschienen— allerdings ist das Resultat nicht ganz genau, da die Brüder Parfaict wohl nicht alle Stücke erwähnen—, so ergiebt sich folgendes: Von 1608— 1628 finden wir im Durchschnitt jährlich nur vier neue Stücke. Ganz anders von 1629 an. Hier werden S, 1630: 15, 1632: 9, 1634: 9, 1635 und 1636: 19, 1637 und 1638: 20, 1639: 21, 1640: 11, 1641: 15, 1642, dem Todesjahr Richelieus, 18 besprochen. Man er- kennt also augenscheinlich den Einfluss des Hofes, resp. des Cardinals auf die Production von Dramen.
*) Colletet, ein Advokat, verfasste neben vielen Uebersetzungen griechischer und lateinischer Autoren mehrere religiöse Schriften. Ausserdem existiert von ihm, gegen Lotheisen I, 343, eine Tragicomödie„Cyminde ou les deux Victimes“, Paris 1642, chez Augustin Courbé, 12⁰. Sie wurde im Palais-Cardinal gespielt und gefiel dem Cardinal ausserordentlich, vielleicht gerade wegen ihres wunderbaren Inhalts und ihrer sentimen- talen Charaktere. In der Widmung an Richelieu heisst es:„Vous n'avez pas dédaigné de donner des soupirs au récit de ses(sc. Cyminde) douleurs, et des applaudissements à l'heureux succès de ses aventures.“ Der Dichter spricht ferner den Wunsch aus, dass die Nachwelt dieselbe Meinung von dem Werke hegen möge wie der Cardinal,„le jugement que le grand Cardinal de Richelieu fait de nos ouvrages, doit étre celui de toute la postérité“. Das Stück spielt im asiatischen Sarmatien an der Küste des Caspischen Meeres. Einst herrschte eine grosse Überschwemmung, das Volk murrte und fluchte dem Gotte Neptun; dieser bestrafte daher die Bewohner noch durch eine Pest. Das Orakel verkündet, dass, um den Gott zu besänftigen, alle drei Jahre sich jemand, freiwillig oder durch das Los bestimmt, opfern müsse,„Et cette ordonnance doit étre irrévocable, Si le crime et le zèle un jour Ne me font refuser deux victimes d'amour“. Letzteres tritt ein, indem sich Cyminde, die junge Gemahlin des Fürsten Lysidas, den das Los getroffen hat, Neptun opfern will.— Zu den schönsten Stellen des Dramas gehören die Schilderungen der Flut und der Pest im I. Akt. Die häufigen Klagen der Liebenden sind hingegen höchst ermüdend, und der Eindruck, den die edelmütige Handlungsweise Cyminde's hervorbringen könnte, wird durch die zu lang ausgedehnte Intrigue verwischt.
Ein sehr sorgfältiger Arbeiter ist de l'Estoile, welcher nach Pellisson„repassait cent fois sur les mémes choses“(Hist. de l'Ac. I. 249). Wir besitzen von ihm zwei Stücke, eine Tragicomödie„La Belle Esclave“, Paris 1643 chez Pierre Morean, Fol. 1 mit der Widmung an den Kanaler Sequier und eine Comödie„'In- trigue des Filous,“ Paris 1648 che⸗ Sommaville, 40. Die Comödie„Le Secrétaire de Saint Innocent“ wurde nicht vollendet. Der Schauplatz der Tragicomödie ist Algier, wohin die beiden Liebenden Alphonse und Clarice nach ihrer Trennung verschlagen worden sind. Im Uebrigen deckt sich der Inhalt so ziemlich mit dem des Gedichtes von Fleur und Blauchefleur.— Die„Intrigue des Filous“ dreht sich um das Bild Florinde’s, das ihrem Liebhaber Lucidor, während er von Banditen verfolgt wird, verloren geht und in die Hände seines Rivalen Tersandre gerät. Lncidor wird zuerst der Untreue geziehen, rechtfertigt sich aber und trägt über den Nebenbuhler den Sieg davon.


