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hatte. Obwohl wir nicht seine directe Einwirkung auf die Dichter constatieren können, blühte es in jenem Kreise, aus dem später die Akademie hervorgehen sollte. Die Übersetzungen der antiken Klassiker wurden fortgesetzt; die Tragödien Garniers verbreiteten sich immer weiteri) und wurden, wenn auch nicht in öffentlichen Theater n, so doch in den gelehrten Kreisen, Collegien gespielt. Aber diese Bewegung wäre vielleicht nicht durchgedrungen, wenn sich nicht ein Mann wie Richelieu an ihre Spitze gestellt und einen Centralpunkt geschaffen hätte, wo er eine Stütze für seine Pläne zu finden hoffen konnte. Zwar wurde der Staatsmann Richelieu nicht weniger als Richelieu, der Freund der W issenschaften, dazu getrieben, die Akademie zu gründen; er wollte seine Allmacht auf dem Gebiete der Wissenschaften, ebenso wie auf dem der Politik zur Geltung bringen. Aber dennoch ist die Anklage ungerecht, dass die Gründung der Akademie nur auf sein autokratisches Streben zurückzuführen ist, dass er die Gelehrten, welche sich im Hause Conrarts wöchentlich einmal trafen, zwingen wollte, ihn als Herrn anzuerkennen, ohne dessen Erlaubnis die Zusammenkünfte nicht stattfinden dürften. Nach den Statuten der Akademie bestand ihre hauptsächlichste Funktion darin die Sprache zu reinigen. Die Hauptabsicht Richelieu's bei ihrer Gründung war es, die fran- zösische Sprache in demselben Masse zur herrschenden Sprache der Neuzeit zu machen, wie es das Griechische und Römische für's Altertum gewesen waren. Die Bedeutung der Aka- demie begreifen wir, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie wichtig besonders in der Poesie die Sprache, der Ausdruck ist. Mit gutem Grunde strebte also Richelieu nach einer edlen und reinen Sprache, als der Grundlage jeder Poesie; und er begnügte sich nicht damit, Regeln festzusetzen, sondern befolgte sie selbst. Thatsächlich ist der Stil seiner politischen Werke rein, präcis und frei von jeder preciösen Phrase. Allerdings darf man den Wert der Aka- demie nicht überschätzen und muss man zugeben, dass sie nicht so bald Erfolge aufzuweisen hatte; immerhin aber blieben sie nicht aus und wurde die Sprache thatsächlich durch ihre Bemühungen— Lexicon und Grammatik— gereinigt und der gute Geschmack in litterarischen Dingen bewahrt. ²)
Indessen würde dieses Verdienst der Akademie oder des Cardinals um das Drama nur ein indirektes sein; die Sprache ist nur ein Element eines poetischen Kunstwerkes; das andere ist sein innerer Bau. Was hat Richelieu in dieser Hinsicht gewirkt?
Wir finden in der neueren Geschichte selten, fast gar nicht einen Politiker wie Richelieu, der es so wie er verstand, sich zum Mittelpunkt von ganz Europa zu machen, der 80 straff wie er die Zügel der Regierung führte, und doch während aller wirren des politischen Lebens sich das lebhafteste Interesse für die Künste und Wissenschaften be- wahrte. Wir haben schon von seinem Anteil, oder vielmehr von seiner Initiative zur Gründung der Akademie gesprochen. Er war es, der die Plätze vieler Akademiker bestimmte. Ein Sitz in der Akademie war die Belohnung für ein Werk der Wissenschaft oder der Poesie, das den Beifall des Cardinals erlangt hatte. Er verteilte Pensionen und Gratificationen, und was noch wichtiger ist, feuerte die aufstrebenden Talente durch persönliche Aufmun- terung an ihre Studien fortzusetzen. Viele der ersten Akademiker verdankten ihm ihre
¹) cf. Brunetière a. a. O. pag. 699. *) cf. Guizot, Corneille et son temps. Paris 1865, pag. 94; Lotheisen, Geschichte der französischen Litteratur im 17. Jahrhundert, I. 299.


