Aufsatz 
Ueber den etruskischen Tauschhandel nach dem Norden / von Hermann Genthe
Entstehung
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assyrische Einflüsse, wie sie z. B. die Vase von Grächwyl(Bern) und die Gefässe von Siem und Rönning(Dänemark) zeigen, als ungelöste Räthsel zurück.

Die eben bezeichnete Richtung hatte besonders in Deutschland Anklang gefunden, seitdem man sich einerseits von Naivetäten freigemacht hatte, wie es die Herleitung aller in den Sammlungen durch bessere Technik hervorstechenden Gegenstände aus Bronze und Eisen von einer einzigen Productionsstätte diesseits der Alpen oder von Phöniziern, die in den Pfahlbauten der Alpenländer Erz gossen, schmiedeten und walzten, gewesen war, andrerseits aber seitdem man von der Keltomanie durch eine Reihe gewichtiger That- sachen und wissenschaftlicher Bedenken abgekommen war. Denn dass die Kelten in der Metallarbeit nicht den Phöniziern, nicht den Griechen, nicht den Etruskern eben- bürtig gewesen seien, ist eine durch die vergleichende Forschung in Deutschland jetzt gesicherte Erkenntniss. Einigen anderen Ländern fällt es offenbar noch schwer Vor- stellungen aufzugeben, in welche sie sich, verleitet durch einen höheren Grad von National- eitelkeit, tief eingelebt haben, und dem Glauben zu entsagen, dass von ihnen aus jene meisterhafte Arbeit in Erzguss und Schmiedekunst sich theils durch eingewanderte Arbeiter, theils durch fortschreitende Nachahmung eingeführter Muster in die anstossen- den Länder verbreitet habe. Auch dieser nationalen Befangenheit wird ehrliche, un- unterbrochene Forschung Herr werden. Durch die unbefangene Vergleichung der Gräber- funde wird sie lehren, dass nationale Selbständigkeit nicht gleichbedeutend ist, geschweige denn gleichbedeutend sein muss mit Unabhängigkeit von fremden Einflüssen auf dem Gebiete der Industrie und Kunst. Man kehre sich einmal gar nicht an die den Fund- stücken bisher gegebenen Bezeichnungen als keltisch, gallo-römisch, althelvetisch, alpinisch, germanisch, fränkisch, wendisch u. S. w., vertraue diesen blossen Namen am wenigsten, viel mehr guten Abbildungen und Beschreibungen, am meisten gründlicher Autopsie, die sich nach der Maxime Eduard Gerhards, meines verehrten Lehrers, richtet: qui unum monumentum vidit, nullum vidit: qui mille vidit, unum vidit. Prüft man so, unbeirrt durch frühere Anschauungen, leidenschaftslos und ruhig die Schätze der Samm- lungen auf die neuen Gesichtspunkte hin, so wird der Gewinn nicht ausbleiben; statt Thatsachen im täuschenden Licht der Vereinzelung festzuhalten, wird man dieselben in ihrem inneren Zusammenhange begreifen lernen.

Von einer solchen Revision ist auch die Hebung eines wissenschaftlichen Be- denkens zu erwarten, welches zu Gunsten einer ausgebildeten einheimischen Industrie geltend gemacht worden ist. Man bemerkte gewisse stilistische Besonderheiten an den aufgefundenen Alterthümern, welche wie barbarisirende Nachbildungen eines edleren Stiles aussahen. Nichts schien glaublicher als die Vermuthung, dass man es hier nicht mit eingeführter fremder Waare, sondern mit Erzeugnissen eines nach ausländischen Vorbildern arbeitenden einheimischen Kunstgewerbes zu thun habe. Allein die Ver-