Aufsatz 
Die Schriftstellerlektüre der Ober-Sekunda nach den Grundsätzen der Konzentration : 2. Teil / von August Ahlheim
Entstehung
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von dem Allgemeinen zu dem Besonderen sich wieder herabzulassen, ¹) das ist die alte von Lessing und schon lange vor ihm erhobene Forderung der Konzentration des Unterrichts. Dieser an einem gegebenen Punkte gerecht zu werden, war der Zweck des hier vorliegenden Versuchs, den ich der wohlwollenden Beurteilung der Fachgenossen unterbreite. Seine Berech- tigung liegt darin, dassder grössere und schwierigere Teil die Verwertung dieser allgemeinen Gedanken(einer Konzentration) in der Detailarbeit ist, ²) die natürlich nur durch Zusammen- wirken vieler Kräfte geleistet werden kann.Denn jeder und auch der kleinste Teil des Unter- richtsstoffes muss auf das Recht seiner Stellung im Lehrplan nach diesem Gesichtspunkte sorg- fältig geprüft, und es muss dann, sobald dieses Recht nachgewiesen ist, die Stelle, wohin er gehört, genau bestimmt werden. Denn nur auf diesem Wege lässt sich ein wirkliches Lehr- plansystem ausbilden. Freilich stellt die Konzentrationsidee hohe Anforderungen an den Lehrer, und er kann mit grösserem Recht als der Deutschlehrer bei Rothfuchs ³) einschwer belasteter Mann genannt werden, aber er wird reiche Entschädigung finden in der Fülle stets neu auftauchender Aufgaben und Gesichtspunkte und der Höhe des Ziels, dem er nachstrebt. Dennwenn die Konzentration des Unterrichts nicht bloss die Sicherheit des Lernens und die Verwendbarkeit des Gelernten verbürgt, nicht bloss der Unterrichtsarbeit die Wirkung auf die Ausbildung einer gesunden Welt- und Lebensauffassung und auf die Konzentration der geistigen Kraft sichert und somit dem Unterricht einen tiefgreifenden Einfluss auf die Charakterbildung garantiert, sondern wenn sie zugleich eine sehr ernste Frage, von deren richtiger Lösung die leibliche und geistige Gesundheit unserer Jugend abhängt, beantworten hilft, so ist sie selbst ein hochwichtiges Problem für die pädagogischen UÜberlegungen.)

¹) Lessing, Abhandlungen über die Fabel. V. ²) Ackermann, Pädag. Fragen. I. Reihe, 2. Aufl. Dresden 1891, S. 86.

³) Rothfuchs, Bekenntnisse aus der Arbeit des erziehenden Unterrichts; Marburg 1892, S. 111. 4) Ackermann a. a. 0.

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