Aufsatz 
Dr. Carl Kühner : (Direktor der Musterschule Dezember 1851 bis Ostern 1867) ; ein Lebensbild
Entstehung
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Erhöhung des linken Flußufers am Nordoſtfuße des Thüringer Waldes in einem weiten, äußerſt anmuthigen, von näher gelegenen, ſanften Anhöhen und von etwas entfernteren, meiſt ſcharf liniirten Bergköpfen umrandeten Thalkeſſel an der Hauptſtraße von Franken nach Thüringen und Sachſen und die Anmuth der ganzen Gegend, ſo muß man das Leben Kühner's in ſo geachteter, ſegens⸗ reicher Stellung ein glückliches nennen, aus welchem ſich loszureißen einen ſchweren Entſchluß koſtete.

Der Ruf hierzu kam von Frankfurt a. M. ſchon im Jahre 1848, aber erſt einem zweiten dringenden Rufe im Jahre 1851 leiſtete Kkühner Folge. Am 1. Januar 1848 war der Director der Muſterſchule F. W. G. Bagge in Ruheſtand getreten, und die Wahl der Oekonomiſchen De⸗ putation zur Beſetzung der erledigten Stelle war in erſter Linie auf Kühner gefallen, über den von namhaften Schulmännern die günſtigſten Urtheile eingelaufen waren, über deſſen Saalfelder Wirkſamkeit man Höchſtbefriedigendes erfuhr, und deſſen Schrift: die Realſchule in Charakteriſtiken, wie auch ſein Schulbericht von 1845 den größten Beifall bei der Oekonomiſchen Deputation ge⸗ funden hatte. Conſiſtorium und Senat ſtimmten ein, Kühner nahm an, kam ſelbſt nach Frankfurt und beſtätigte die günſtige Erwartung, welche die Oekonomiſche Deputation von ihm hegte, durch ſein perſönliches Auftreten. Aber gerade dieſe Anweſenheit in Frankfurt, welche im Mai 1848 ſtattfand, muß ihm die allgemeinen Verhältniſſe und die beſonderen Verhältniſſe der ihm zugedachten Stelle ſo bedenklich gezeigt haben, daß es ihm unmöglich erſchien, die Stelle wirklich anzutreten. Den Aus⸗ ſchlag gab aber zuletzt, daß er ſich nicht, wie er gehofft hatte, den Rückweg zur Heimat offen halten konnte, ſondern gänzlich aus dem Meiningiſchen Staatsverbande hätte ausſcheiden und auf etwaigen Rücktritt in ein dortiges Amt hätte verzichten müſſen. Es wurde ihm, als einem Manne von pein⸗ licher Gewiſſenhaftigkeit unendlich ſchwer, ſein gegebenes Wort zurückzunehmen; die uns vorliegenden, theils officiellen, theils vertraulichen Briefe an die Oekonomiſche Deputation der Muſterſchule beweiſen das deutlich, ebenſo deutlich aber auch, wie unbedingt ihm feſtſtand, daß er unter den gegebenen Verhältniſſen in das Frankfurter Amt nicht eintreten könne. Ungern gab ihm die Deputation ſein Wort zurück, ohne jedoch die günſtige Meinung von ſeiner Tüchtigkeit und von der Ehrenhaftigkeit ſeines Charakters zu ändern. Dieſe günſtige Meinung ſtand vielmehr ſo feſt, daß die Deputation nach dem unerwarteten Tode des trefflichen Directors Bruckner am 26. September 1851 ohne alles Bedenken wieder auf Kühner zurückkam. Die Verhandlungen führten zum Ziele, Kühner wurde gewählt, beſtätigt und ernannt und trat ſein Amt am 8. December 1851 an. So war die Vorausſagung bei ſeinem Ausſcheiden aus dem Saalfelder Schulamte wahr geworden, daß es ihn wieder zu ſeinem urſprünglichen pädagogiſchen Berufe zurückziehen werde. Er ſagt es ſelbſt in ſeiner Antrittsrede.

Der Abſchied von dem mittlerweile auch liebgewordenen geiſtlichen Amte war nicht leicht, ſchwerer noch von all' den lieben Stätten und Menſchen, die ihren theuren Superintendenten oder Freund mit Schmerzen ſcheiden ſahen und ihm und den Seinigen noch alle den Abſchiedsgruß nach⸗ winkten. Den Schmerz, von der Mutter zu ſcheiden, die 1848 in ſein Haus übergeſiedelt war, hatte Kühner nicht mehr, ſie war 1850 geſtorben, nur der zweite Sohn, Gymnaſiaſt in Hildburg⸗ hauſen, jetzt Phyſikus in Gräfenthal, wurde in der Heimat zurückgelaſſen, die andern 7 Kinder be⸗ gleiteten die Eltern nach Frankfurt.

In der Zwiſchenzeit zwiſchen jenem erſten kurzen Aufenthalte zu Frankfurt im Mai 1848 und der Ueberſiedelung im Winter 1851 war jedoch die Beziehung zu Frankfurt nicht ganz abgebrochen