Aufsatz 
Dr. Carl Kühner : (Direktor der Musterschule Dezember 1851 bis Ostern 1867) ; ein Lebensbild
Entstehung
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noch eine kleine Liederfibel mit Melodienbüchlein. Durch das Ganze weht ein friſcher, ſittlicher und religiöſer Geiſt, fern von jeder abſichtlichen Moral. Ein angemeſſener localer Patriotismus im pro⸗ ſaiſchen und poetiſchen Theile geht mit deutſch⸗patriotiſchem Sinne Hand in Hand. Die Ausgabe von 1871 hat im zweiten Theil einen Anhang über den Krieg von 187071 erhalten, der fern von jedem Phraſenwerk, mit dem man ſo oft glaubt, ſeinen Patriotismus ausſtaffiren zu müſſen, geeignet iſt, die Vaterlandsliebe zu beleben. Seinem Zwecke gemäß für einfache Bauern⸗ und Bürger⸗ kinder enthält das Buch auch Material zum Anſchauungsunterricht, für Geſchichte und Geographie, für den erſten Religionsunterricht, das Einmaleins u. ſ. w.; im Anhang des zweiten Theiles auch Formulare zu Geſchäftsaufſätzen.

Daneben ging nun ein lebhaftes Vereinsleben. Im Jahre 1835 hatte ſich auf Anregung des Kammerherrn von Pfaffenrath ein Gewerbeverein gebildet, der ſich zur Aufgabe ſtellte durch Umlauf von Zeitſchriften, durch praktiſche Verſuche und Discuſſionen in Vereinsſitzungen Handwerk und Ge⸗ werbe zu fördern. Deſſen Vorſitzender wurde Kühner 1845 nach Pfaffenrath's Tode, und ge⸗ rade in dieſem Jahre wurde eine Fortbildungsſchule für Lehrlinge gegründet.

Ein recht eigentliches Werk Kühner'ſcher Stiftung war aber der pädagogiſche Verein, der aus einigen Geiſtlichen, einigen Schulfreunden aus dem Beamten⸗ und Gewerbeſtande und aus 21 Lehrern beſtand und ſich in der Regel jeden Montag verſammelte. Die Statuten des Vereins beſtanden nur aus einem Paragraphen, nämlich dieſem, daß der Verein keine Statuten haben ſolle. Zwiſchen dem Ernſt der Arbeit fehlte es auch nicht an Heiterkeit, und auch hier bewährte Kühner das am Großoheim gerühmte Talentlachend die Wahrheit zu ſagen. Ein ſolcher Vortrag Kühner's liegt uns von der Jahresfeier des Vereins 1848 vor*) als Beitrag zu einem ſynony⸗ miſchen Handwörterbuche für Schulmeiſter und Pfarrer über das Verbauern, Verſauern, Veralten, Verkümmern, Verknöchern, Verſumpfen, Verſchrumpfen, Vertrocknen, ſich Verliegen. Er redet hier zu Pfarrern und Lehrern auf dem Lande und in kleinen Städten, frei von jedem Anfluge paſtoraler Salbung, die man bei einem Superintendenten, Oberpfarrer und Hofprediger fürchten könnte, in heiterm Scherz und leichtem Humor, aber auch voll von Offenheit, die theils aus den Verhältniſſen, theils aus den Seelen der Menſchen kommenden Schäden darzulegen, mit einem ſchönen idealen Zuge der Begeiſterung für den Beruf, der Liebe zur Jugend und der Werthſchätzung von Dichtung und Wiſſenſchaft, die er auch im Hauſe des Pfarrers finden will, dem auch das gute weltliche Buch nicht fehlen ſoll. Es klingt gewiß aufmunternd und erfriſchend, wenn er zum Schluße den Ver⸗ einsgenoſſen zuruft:Was ich aber ſpeciell noch vorſchlagen will, iſt, daß wir unſern Verein ſelbſt zu einer Aſſecuranz einrichten gegen die leidige Noth des Verſauerns u. ſ. w. Da ſpringe Einer dem Andern bei mit geiſtiger Erweckung und ſporne mit aufrichtigem Tadel. Und ſo bewahre uns der Himmel vor dem böſen Philiſterium und erhalte uns friſch und rüſtig im Vorwärtsſtreben.

Aus dem Mitgetheilten kann man nun auch ſchließen, in welchem friſchen Geiſte Kühner den Vorſitz des Lehrervereins der Diöceſe Saalfeld und abwechſelnd mit einem andern Geiſtlichen den Vorſitz des Predigervereins führte. Ebenſo belebte er ein Leſekränzchen und manche Geſellſchaft durch ſeinen Geiſt. Nimmt man hinzu die heranwachſenden Kinder, die Ueberſiedelung der Mutter zum Sohne im Jahre 1848, die freundliche Lage des Städtchens**) im ſchönen Saalthale auf einer

*) Mitgetheilt in der Pädagogiſchen Revue No. 5 u. 6, 1848.

**) Saalfeld hatte 3,300 E. Vergl. überhaupt Brückner u. ſ. w. Muſterſchule. 1873. 3