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Neben ſeinem amtlichen Beruf entwickelte Kühner in Saalfeld eine lebhafte literariſche und Vereinsthätigkeit, beides aber im Zuſammenhange mit den Aufgaben ſeines Berufes. Aus dem Jahre 1836 ſtammt ein geographiſches Memorirbüchlein, das durch rhythmiſchen Tonfall in dem⸗ jenigen, was gelernt werden ſoll, dem Gedächtniß zu Hilfe kommen will. Denn wenn auch Kühner die Reventlow⸗(Curtmann'ſche) Mnemonik(ſ. Recenſion in der A. Schul⸗Z. 21. Aug. 1855) verwarf, ſo glaubte er doch das Gedächtniß durch ſolchen rhythmiſchen Silbenfall unterſtützen zu ſollen. Er hat auch wohl erreicht, daß alte Schüler und Schülerinnen, die aus ſehr verſchiedener Gegend zufällig bei ihm zuſammentrafen, mit Vergnügen aus ihrer Schulzeit rhythmiſche Geographie zu re⸗ citiren anfingen, das Buch ſelbſt iſt ohne größere Bedeutung, die Methode blieb nicht ohne eine ge⸗ wiſſe Gefahr des Pedantiſchen oder Komiſchen. Bedeutungsvoller iſt der rege Antheil, den er namentlich ſeit 1840 an der allgemeinen Schulzeitung nahm, beſonders hat er bis zum Jahre 1863 die Recenſionen geographiſcher und aſtronomiſcher Bücher geliefert. Seine Art zu urtheilen iſt ge⸗ wiſſenhaft, ſie gründet ſich auf wirkliche Bekanntſchaft mit den Büchern, die er nicht bloß durch Lob oder Tadel abfertigt, ſondern gründlich beſpricht und ihnen auch ihre Eigenthümlichkeit abzugewinnen ſucht. Der von Ritter angebahnte Weg geographiſcher Auffaſſung und Behandlung iſt ihm der beſte. Im Schulbuch will er nicht das alles zu leſen bekommen, was der Schüler leicht von der Karte ableſen kann, das Material ſoll überhaupt nicht zu weitläufig ſein, den übertriebenen„Charak⸗ terbilderkram“ liebt er nicht, auch zu ſchöne Darſtellung, die dem Lehrer zuviel vorwegnimmt, ſcheint ihm bedenklich. Falſche Popularität, Sentimentalität und die bei den Haaren herbeigezogene Religioſität bekämpft er entſchieden und zeigt wohl ihre Ausartung in's Lächerliche an einzelnen Beiſpielen. Gegen Unfähigkeit kann er auch ſcharf auftreten und ſcheut dabei nicht angeſehene Stellung der Ver⸗ faſſer. Die Uebertreibung des Kartenzeichnens beim Unterricht verwirft er, obgleich er auch die zeichnenden Methoden in ihrer Eigenthümlichkeit verſteht und alle Veranſchaulichungsmittel zu würdigen weiß. Mathematiſche Geographie und Aſtronomie ſchätzt er ganz beſonders hoch, und indem er Dieſter⸗ weg's mathematiſche Geographie und populäre Himmelskunde lobend ankündigt, ſtellt er folgende vier gewiß pädagogiſch beachtenswerthe Grundſätze auf: 1) Erſcheinungen, welche mit bloßem Auge wahrnehmbar ſind, haben immer den Rang vor denjenigen, welche mit Hülfe von Inſtrumenten er⸗ kannt werden. 2) Die Erſcheinungen, welche durch Induction verſtanden werden können, haben den Rang vor denen, welche mathematiſcher Begründung bedürfen. 3) Die erwieſene Wahrheit hat den Rang vor bloßen Vermuthungen. 4) Die praktiſch wichtigen Erſcheinungen haben den Rang vor den rein wiſſenſchaftlichen.
Anſprechend iſt auch noch in den Kühner'ſchen Recenſionen, wie er ſich jener uns Deutſchen gar leicht anhangenden Eigenthümlichkeit gegenüberſtellt, das was aus dem Auslande zu uns kommt dem Einheimiſchen vorzuziehen, wie das mit Rougemont, dem Schüler Ritter’s, geſchehe, deſſen Verdienſt nicht geſchmälert werden ſolle, der aber übertroffen werde von deutſchen Schriftſtellern. „Ein deutſcher Fürſt ließ ſich für ſein neues Schloß“, ſo erzählt Kühner,„foſtbares Hausgeräthe von Paris kommen und zeigte es mit triumphirendem Lächeln einem Meiſter ſeiner Reſidenz. Der Meiſter lächelte auch, ließ ein geheimes Fach des kunſtvollen Secretärs vorſpringen, zeigte auf die Chiffre darin und ſagte:„ich kenne die Einrichtung, der pariſer Meiſter hat bei mir in der Lehre geſtanden.“
Von hervorragender Bedeutung iſt eine Abhandlung Kühner's aus dem Jahre 1838 in dem


