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man glauben könnte, er werde dieſe Studien und den Gedanken an eine Rückkehr zum Schulfache aufgeben. Für jetzt ſcheint hauptſächlich der Drang äußerer Verhältniſſe und der Wunſch der Stadt, die deshalb bei der hohen Behörde petitionirt hatte, ihn zur Annahme der Superintendentur bewogen zu haben. Bei ſeinem Scheiden von der Schule erhielt er zahlreiche und ſprechende Beweiſe der Anhänglichkeit und Denkart von Seiten der Stadt und der Schule u. ſ. w.— Der Terxt der Vo⸗ tivtafel, welche ihm ſeine Collegen überreichten, fährt nach einer Einleitung, in welcher ſich Verehrung und Dank ausſpricht, folgendermaßen fort:„Ihre Führung iſt es geweſen, die uns, nach ſo ver⸗ ſchiedenen Richtungen auch unſer Sinn, unſre Fächer und Beſtrebungen aus einander gehen mochten, wie zu freundlich, einträchtigem Zuſammenleben, ſo auch zu einmüthigem Zuſammenwirken für das hohe Ziel unſeres Berufes vereinigt hat. Ihr Vorgang hat uns nachgezogen und mit der Liebe für die Schule, von der jegliches Ihrer Worte, jegliche Ihrer Handlungen ein lebendiges Zeugniß war, haben Sie auch uns durchwärmt.“ In Folgendem wird dann darauf hingewieſen, wie Kühner durch ſeine, allen Gegenſtänden gleichmäßig zugewendete Theilnahme, auch jedem Einzelnen ſein Fach theuer gemacht, wie ſein Eifer zu unabläſſigem Fortſchreiten angeſpornt und ſelbſt den Zagenden gehoben, wie der Muth, wenn er einem habe ſinken wollen, ſich an Kühner's Vorbild und Treue wieder aufgerichtet habe u. ſ. w. Wir dürfen dieſe Votivtafel als das aufrichtige Zeugniß der im Lehrercollegium herrſchenden Stimmung anſehen, es liegen Beweiſe in meinen Händen, daß die Dankbarkeit und Verehrung für„den erſten Rector der Realſchule und des Progymnaſiums, ſowie der neuorganiſirten Bürgerſchule und Volksſchule“ nicht nur bei der Feier des 25jährigen Beſtehens der Anſtalt, ſondern auch über Kühner's Tod hinaus fortgedauert hat, und namentlich wird immer ſeine Anregung zum eifrigen Vorwärtsſtreben, ſeine liebenswürdige Collegialität und die Gabe, auch das Lehrercollegium zu einem wahrhaften Geſammtcollegium in freundſchaftlichſter Geſinnung zu ver⸗ binden, warm hervorgehoben.
Das neue Amt trennte übrigens Kühner nicht ganz von ſeiner pädagogiſchen Thätigkeit, es lag ihm vielmehr die Inſpection über 23 Landſchulen ob. Seine Inſpectionsreiſen, die er, begleitet von Hofrath Geyer, als dem dazu ordnungsmäßig beſtimmten Verwaltungsbeamten, unternahm, wirkten höchſt anregend. Dem Ernſte des amtlichen Verkehrs geſellte ſich auch fröhliche Laune und heitrer Scherz, mit der beide Männer nicht nur ſich, ſondern auch denjenigen, auf welche ſich ihre Aufſicht erſtreckte, die Aufgabe zu würzen verſtanden. Als Oberpfarrer hatte Kühner jeden Sonntag an der Hauptkirche St. Johann die Hauptpredigt, Beichte hatte er gleich den beiden Diakonen zu halten, bei„großen Leichen“ auch die Predigt, bei„Mittelleichen“ mit den Diakonen zu wechſeln, Taufen und Trauungen in adeligen Familien lagen ihm allein ob, doch kam während ſeiner Amtsführung nur eine adelige Trauung vor. Mit großer Liebe ertheilte er Confirmationsunterricht, aber auch ſeinen Predigten wandte er die größte Sorgfalt zu.„Ohne Ausnahme zeugten ſie von eingehendſter Meditation, die Themata waren kurz gefaßt und die gedankenreiche Ausführung bewegte ſich in maßvoller, eleganteſter und gefeilteſter Rede, die ſich mit trefflich gewählten und durchgeführten Bil⸗ dern ſchmückte, ohne doch überladen zu ſein. So vermochte er ſeine Zuhörer bis zum letzten Worte zu feſſeln und nicht ſelten den Wunſch rege zu machen, daß er noch fortfahren möchte. Es waren Moralpredigten im beſten Sinne und in anziehendſtem Gewande“.*)
*) Dieſe Charakteriſtik verdanken wir einem competenten Berichterſtatter und finden ſie übereinſtimmend mit dem, was wir von ſeinen hieſigen Schulreden wiſſen und aus ſeinen Schriften entnehmen.


