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ſeine Beobachtung aus der individuellen Vereinzelung zu Gattungsbildern erweitert in einer Reihe höchſt geiſtreicher Skizzen niederlegte, die in der allgemeinen Schulzeitung 1843 und dann in be⸗ ſonderer Ausgabe bei Leske in Darmſtadt in demſelben Jahre erſchienen*) mit der Chriffre A.... X unterzeichnet. Aus den Gattungsbildern hebt ſich allein als ein Individualbild die Königliche Real⸗ ſchule zu Berlin hervor, deren Director Spilleke bald nach jenem Beſuche ſtarb. Dieſe Schule, etwa wie eine heutige Realſchule 1. Ordnung organiſirt, nur nicht mit der vollen Curſusdauer, hätte Kühner’s Ideal entſprochen, wenn er nicht trotz Kaliſch' trefflicher Beweisführung für das Lateiniſche gezweifelt hätte, ob die lateiniſche Sprache der Realſchule wirklich den Dienſt leiſten könne, den man von ihr erwarte. Kühner entwickelte aus den verſchiedenen Bildungszielen der verſchiedenen Stände(theoretiſche, höhere und niedere praktiſche Stände) die Schulgattungen und ihre Aufgaben. Die Realſchule iſt für die höheren praktiſchen Stände beſtimmt.„Nach unſrer Auffaſſung,“ ſagt er, „haben die theoretiſchen Stände und die höheren praktiſchen Stände das Gemeinſame, daß ſie in der intenſiv größten Menſchenbildung zugleich die beſte Grundlage für ihre Berufsbildung finden, und daß ihre Berufsthätigkeiten inſofern übereinſtimmen, als beide, von beſtimmten Principien ausgehend, auf Darſtellung einer innerlich erfaßten Idee gerichtet ſind. Hieraus ergibt ſich, daß die Realſchule, wenn ſie der Bildung der höheren praktiſchen Stände dienen will, in der Erſtrebung einer allge⸗ meinen Grundlage für den künftigen Beruf ſich dem Gymnaſium coordiniren und deshalb, auch ebenſo wie jenes dem Principe der Humanität ſich ſubordiniren muß.“ Er geht nun in 7 Abſchnitten die verſchiedenen Realſchulformen, deren Typen er mit feinem Blick geſehen und mit geiſtreicher klarer Zeichnung wiedergibt, nach einander durch: 1) die Realſchule in den Windeln der Gymnaſialbildung, 2) die gewerbliche Realſchule, 3) die vornehme Realſchule(die ſich auch Realgymnaſium nennt), 4) die inſtructive Realſchule, die mit lauter jungen meiſt theologiſchen Kräften arbeitend, das ganze Schulleben der Lehrer und Schüler durch ein Syſtem ineinander greifender Inſtructionen geregelt hat, 5) die höhere Bürgerſchule, welche 6) zur reinſten Darſtellung gekommen iſt in der Berliner Königlichen Realſchule unter Spilleke, und ſchaut endlich 7) in die Zukunft der Realſchule. Er ſieht voraus a) eine beſtimmte Abgrenzung der Realſchule von der Gewerbeſchule, b) daß ſich die Realſchule eine beſtimmte Vorſchule ſchaffen und endlich, daß ſie ſich in ihrem Endziele an beſtimmte Berufsſchulen, theils unmittelbar an das praktiſche Leben, auch an die Univerſitäten anknüpfen werde, ohne doch Anſpruch zu machen auf Vorbereitung ihrer Schüler zu einem Facultätsſtudium. Auch die Beſchränkung der Lehrjahre im kaufmänniſchen und Gewerbebetriebe für Realſchulabiturienten ſieht er voraus. Die Schrift iſt in jener vollendet abgeſchloſſenen Form, in jener klaren Durchſichtigkeit und feſſelnden friſchen Weiſe geſchrieben, die Kühner ſich immer mehr angeeignet, ſie verdient noch heute geleſen zu werden. Uebrigens iſt außer der Behandlung der eigentlichen Hauptfrage noch ein Reichthum von pädagogiſchen Bemerkungen darin enthalten, die ſich z. Th. ſpäter zu beſonderen Aus⸗ führungen entfaltet haben, und in denen man die Keime von einer Anzahl der Abhandlungen in den Muſter⸗ ſchulberichten entdeckt, nemlich von dieſen: Die Realſchule im Dienſte localer Bildungsbedürfniſſe(1852); Standesmäßige Erziehung(1860); Wie man Geſchäftsmänner erzieht(1862); Zur Vermittelung des Grenzſtreites zwiſchen Schulzeit und Lehrzeit(1854); Schranke und Freiheit der Erziehung mit Herbart's Motto: Knaben und Jünglinge müſſen gewagt werden, um Männer zu werden(1856).
*)„Das Realſchulweſen in Charakteriſtiken. Von dem Vorſtande einer Realſchule. Norddeutſche Realſchulen.“


