Aufsatz 
Dr. Carl Kühner : (Direktor der Musterschule Dezember 1851 bis Ostern 1867) ; ein Lebensbild
Entstehung
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felder Schulweſen leiten ſollte keine kleine Arbeit. Neben der Realſchule, welche ihre Zöglinge 12 jährig aus der Bürgerſchule empfing, beſtanden 3 Progymnaſialklaſſen, welche Sexta, Quinta und Quarta entſprachen, dann eben die allgemeine Bürgerſchule für Knaben und Mädchen, zu welcher auch Elementarklaſſen gehörten, und die Volksſchule(früher Armenſchule). Letztere brachte ihren Zöglingen nicht nur die Elementarkenntniſſe bei, ſondern unterwies ſie auch praktiſch im Schul⸗ garten, der Zier⸗ und Küchengewächſe, eine Anpflanzung von Maulbeerbäumen zur Seidenzucht, eine Baumſchule und Hopfenanlage enthielt. Weibliche Handarbeiten, Papparbeiten, ſeit 1840 auch Band⸗ fabrication und Strohflechten kamen in täglich 3 bis 4ſtündiger Zeit, mit den ſommerlichen Garten⸗ arbeiten abwechſelnd, hinzu. Die Anſtalten enthielten nach dem Schulbericht von 1839/40 ſchon 725 Kinder.

Noch hatte Kühner im Hauſe der Schwiegereltern mit ſeiner Familie das neue Jahr 1837 begrüßt, dann zog er mit den Seinigen von dannen hinaus in die kalte Winternacht und tiefen Schneefall. Endlich nach allerlei Fährlichkeiten kamen die Auswanderer in Saalfeld an. Kühner ſchon an mannichfachen pädagogiſchen Erfahrungen reich, aber in beſter friſcher Jugendkraft, um mit noch jüngeren Genoſſen das Werk zu beginnen. Er hatte ſeine Wohnung in dem alterthüm⸗ lichen Rectorat, das in der Erinnerung aller ſeiner Kinder eine große Rolle ſpielt.

Am 7. Januar trat er ſein Amt an. Den idealen Zug, in welchem er daſſelbe führte, er⸗ ſieht man gleich aus dem erſten Schulbericht von 1838, in welchem er zwar als Ziel der Realſchule anerkennt, daß ſiealle jene Hülfsmittel aufſchließen ſoll, welche die Wiſſenſchaft für den einſichts⸗ vollen Betrieb irgend eines Gewerbes oder einer realiſtiſchen Berufsart überhaupt darbietet, aber doch namentlich auch hinweiſt auf die allgemeine Uebung der Denkkraft, auf die ethiſchen, äſthetiſchen und religiöſen Elemente. Schließlich faßt er den Zweck aller der ſeiner Leitung anvertrauten Anſtalten in folgenden Worten zuſammen:Der gemeinſchaftliche Eckſtein, auf dem alle unſre Schulen, nach wie verſchiedener Richtung ſie ſich hinwenden, gegründet ſind, das letzte Ziel, an dem ſie alle wieder zu⸗ ſammentreffen, iſt die Erziehung des Schülers zu einem guten und frommen, in ſich freien und feſten Menſchen, die Erziehung des Menſchen zum Menſchen. Und das gerade muß uns Lehrern Freudig⸗ keit geben und der Schule Vertrauen gewinnen, daß ſie nicht bloß den Gewerbtreibenden, ſondern in ihm den Menſchen bilden ſoll, daß ſie nicht bloß lehren ſoll, ſondern erziehen, daß ſie nicht gemiethet iſt, um die Quelle irdiſchen Gewinnes aufzuſchließen, ſondern daß es ihre höchſte und heiligſte Pflicht iſt, ihren Zögling aus der Quelle wahrer Menſchenbildung zu tränken und die Ahnung ſeiner höhern Abkunft in ihm zu wecken. Seine Thätigkeit war eine geſegnete, bei der ihn tüchtige jugendliche Kräfte unterſtützten, wie der Chemiker Gutsmuths(des Schnepfenthaler's Sohn), der leider ſchon 1839 ſtarb, Richter, Botaniker und Geologe, jetziger Director der Anſtalt, Köchly, jetzt Profeſſor und Director des philologiſchen Seminars in Heidelberg. Die Collegialität griff auch über die amtliche Beziehung hinaus und ſtiftete einen heiteren geſelligen Verkehr, namentlich aber gedieh auch die Schule, deren Realabtheilung an Klaſſen und Schülern zunahm und ſich innerlich befeſtigte.

Allerdings hatte es auch nicht an Anfechtungen gefehlt, beſonders weil, um ſchneller das Ziel zu erreichen, zwölf z. Th. noch ſehr jungeausländiſche Lehrer herangezogen waren, wodurch doch das Streben der Inländer zurückgehalten werde. Kühner ſelbſt hatte die Idee der Realſchule immer klarer erfaßt, das zeigt ſchon ein Artikel im März 1838 in der allgemeinen Schulzeitung, der Evagoras unterzeichnet iſt, beſonders aber die geiſtige Frucht einer im Staatsauftrage Herbſt 1840 gemachten Reiſe, auf welcher er eine Anzahl Realſchulen Norddeutſchlands beſuchte und nun