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18. Juli 1832 gegründeter Hausſtand; er hatte nämlich Adelheid Hohnbaum, Tochter des herzog⸗ lichen Leibarztes Hohnbaum zu Hildburghauſen, Enkelin des Patriarchen von Rodach, heimgeführt. Dieſe Ehe wurde reich mit Kindern geſegnet, allerdings ſtarben von 11 drei; 5 Söhne und drei Töchter haben mit ihrer Mutter den Vater überlebt. Alle 5 Söhne als tüchtige Männer, aber alle fern vom Vaterhauſe, z. Th. im Auslande,*) nur ein lieber Schwiegerſohn mit Frau und Töchterchen blieb ihm nahe. Die Zahl der Enkel iſt freilich noch klein, um eins geringer als die Zahl der überlebenden Kinder.— In einem ſo kinderreichen Hauſe, in das eine Zeit lang noch Penſionäre aufgenommen wurden, fehlte es natürlich nicht an Freuden, wie an Sorgen; mit immer wachſenden Amtsaufgaben mußte ſich der Vater auch natürlich immer mehr in's Amtszimmer, auf die Amtsge⸗ ſchäfte und an den Schreibtiſch zurückziehen, und ſo regelmäßig auch ſeine Studirlampe bis in die Nacht hineinbrannte, mag er doch manchmal geſeufzt haben, am Tage nicht mit und unter ſeinen Kindern verkehren zu können, wie er wünſchte; aus einer Feſtrede im Jahre 1848 klingt es wenig⸗ ſtens wie ein unterdrückter Seufzer heraus, daß der Kinderlehrer oft nicht auch in gleicher Weiſe Kinder vater ſein könne.
Hatte der Herzog von Meiningen zunächſt unter Nonne's Leitung das Seminar⸗ und Volks⸗ ſchulweſen reorganiſiren laſſen in ſeinem aus Gebieten von Meiningen, Hildburghauſen, Coburg und Gotha neu zuſammengeſetzten Herzogthume, ſo wurde nun auch die Reorganiſation auf das höhere Schulweſen ausgedehnt, und hierbei war unſer Dr. Kühner berufen eine nicht unwichtige Auf⸗ gabe zu löſen, nachdem man ſeine Lehrtüchtigkeit auch eine Zeit lang am Gymnaſium zu Hildburg⸗ hauſen erprobt hatte.— In Saalfeld war aus einem alten Minoritenkloſter 1534 eine Lateinſchule gebildet worden, die von Melanchthon ſelbſt 1541 den Lehrplan erhielt, ſpäter war die Anſtalt zu einem akademiſchen Lyceum gemacht, von dem Geiſte des Philanthropismus am Anfange dieſes Jahr⸗ hunderts lebhaft angeweht, allmählich ihrem Zweck als Gelehrtenſchule wieder gegeben, aber ohne recht gedeihen zu können, namentlich nachdem es nun neben den Gymnaſien zu Hildburghauſen und Meiningen einem Lande angehörte. Man beſchloß die Ruine niederzureißen und einen Neubau nach den Anſprüchen der Zeit aufzurichten. Das Realſchulweſen, das auf ſeine Wurzeln zu ver⸗ verfolgen hier nicht die Stelle iſt, hatte namentlich in dem lebendigen geiſtigen Streben ſeit dem Befreiungskriege einen lebhaften Aufſchwung genommen. Preußens Vorbild war von beſonderer Wichtigkeit und hier vor allem Spilleke's Reorganiſation der Königlichen Realſchule zu Berlin ſeit 1822 als einer dem Gymnaſium gleichwerthigen Anſtalt, nicht wie dieſes zur eigentlich wiſſenſchaft⸗ lichen Thätigkeit vorbereitend, ſo doch allgemein bildend und vorbereitend für die beſondern Berufs⸗ anſtalten des höheren praktiſchen Lebens. Die Verfügungen von 1827 und 1832, welche an das Reifezeugniß verſchiedene Vorrechte knüpften, gaben beſonders den Anſtoß zu vielen Neugründungen und gewann auch über die Grenzen Preußens hinaus große Bedeutung, wenn auch in Süddeutſch⸗ land mehr ein profeſſioneller Zug noch aus den früheren Entwickelungsſtadien her vorherrſchend ge⸗ blieben war. Eine Realſchule**) nach jener idealen Auffaſſung Spilleke's ſollte aus dem alten Lyceum herausgebildet werden, dieſe Aufgabe fiel Kühner zu, der aber zugleich das geſammte Saal⸗
*) Wir erlauben uns unter Ausland nicht mehr irgend ein anderes deutſches Land zu verſtehen, ſonſt würde ein Sohn im Meiningſchen, einer im Badenſchen auch zu dem Auslande gehören.
**) Es war die erſte im Herzogthume Meiningen; 1838 wurde dann auch eine Realſchule in Meiningen ſelbſt gegründet.


