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ſein ganzes Leben der dort vertretenen idealen Auffaſſung der Aufgabe des Erziehers treu geblieben. Es drängt ſich uns übrigens hier die Bemerkung auf, daß alle die von uns genannten Schulmänner urſprünglich Theologen, meiſt auch(mit Ausnahme von Nonne und Dolz) Söhne von Geiſtlichen waren, ſo ſehr ſtand damals die Theologie und der Beruf des Geiſtlichen zu dem Schulamte in Beziehung.
Auch die engere Verbindung mit Jugendfreunden, dieſe unvergleichliche Würze des Lebens, hatte Kühner in der Studienzeit nicht gefehlt, noch leben einige von ihnen, auf dem heimatlichen Boden.
So kehrte der Studioſus im Jahre 1826 nach einer glücklichen Studienzeit in die Heimat zurück und trat als Lehrer am Nonne'ſchen Inſtitut und an dem von jenem auch geleiteten Schul⸗ lehrerſeminar in Hildburghauſen ein. Nonne war mittlerweile auch Hofprediger, Director des Se⸗ minars und Conſiſtorialrath geworden, und als nach dem Ausſterben der Gothaiſchen Hauptlinie 1826 der Herzog von Hildburghauſen in Folge des Erbtheilungsvertrages Altenburg übernahm, Hildburghauſen aber mit Saalfeld vereinigt an Meiningen übergeben wurde, ſtieg noch Nonne’s Bedeutung, der jetzt von dem jugendlichen alle edlen Beſtrebungen begünſtigenden Herzoge von Mei⸗ ningen zum Oberconſiſtorialrath ernannt wurde. An der durch Verbindung des früheren Meininger Seminars mit derſelben erweiterten Doppelanſtalt dieſes einflußreichen, aber auch raſtlos thätigen Verwandten trat Kühner als Lehrer ein, er machte in dem Jahre auch ſein Examen als Candi- datus pro ministerio und lebte in einer großen Fülle von Arbeit, die jedoch von heiterm Muth getragen und durch angenehme Geſelligkeit, ſelbſt durch Leſethee's bei der von ihrem Gemahl ge⸗ trennten Prinzeſſin Paul von Württemberg unterbrochen wurde, freilich ſchon 1827 ſchmerzlich durch den Tod des Vaters geſtört. An einem andern nicht unwichtigen Werke Nonne’'s, der 1818 von dieſem hauptſächlich gegründeten Dorfzeitung, welche bald als geſchickt redigirtes Volksblatt eine außerordent⸗ liche Verbreitung fand, nahm Kühner ſeit 1827 Theil, und war regelmäßiger Mitarbeiter an derſelben bis 1835. Seine Arbeit beſtand nicht in größeren Aufſätzen, denn Leitartikel gab es damals nicht, ſondern in der Ueberſicht der Tagesereigniſſe, die bei der Natur des kleinen Blattes aus kurzen, packenden, oft pikant und humoriſtiſch gehaltenen Artikeln beſtand, welche auch oft bei der Strenge der Cenſur fein und vorſichtig zugeſpitzt werden mußten.*)
Kühner iſt auch ſpäter der Dorfzeitung nicht ganz untreu geworden; im Jahre 1854 ſchrieb er für dieſelbe ein Lebensbild Dr. Ludwig Nonne’s, eine feine pſychologiſche Arbeit, der Einiges in der vorausgehenden Darſtellung entnommen iſt. Gern theilte er auch von Frankfurt aus in kurzen Artikeln Züge des lebendigen Bürgerſinns mit, wie er ſich in Stiftungen und dergleichen hierſelbſt bethätigte. Im Jahre 1863 gab er in einer Reihe von Mittheilungen über den hier ab⸗ gehaltenen Fürſtentag“*) lebendige Schilderungen der Perſönlichkeiten z. Th. auch, wie ſie ſich in der Volksauffaſſung abſpiegelten. Hie und da klingt wohl mitten durch die Darſtellung des Schauge⸗ pränges und des aufflammenden Enthuſiasmus eine leiſe Ironie hindurch, im allgemeinen aber ſind die Artikel voll von ernſter Liebe zum Vaterlande, welche ſchwer die anfangs lebendige Hoffnung auf
*) Das Lebensbild Nonne's und die Berichte über den Fürſtentag haben mir ſelbſt vorgelegen, im übrigen bin ich den Angaben des Herrn Johannes Nonne in Hildburghauſen, jetzigen Herausgebers und Verlegers der Dorf⸗ zeitung, gefolgt.
**) Es ſind neun verſchiedene Berichte— gezeichnet.


