Aufsatz 
Aus dem Balladenjahre 1797
Entstehung
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sich natürlich vollzögen, und nicht schon die Elemente der Erzählung beim Leser einen Glauben an das Wunderbare voraussetzten. Alles hatte sich zufällig aneinanderzu- reihen, unddas Ahnungsvolle und Sonderbare in der Geschichte sollte freie Verbindung im Gemüte des Lesers und Hörers sein, dem Vorgange gleich im Volksgemüt, dem die Erzählung entstammt(vgl. SchG 22. August).

Aus diesen Gründen verlangte er eine Erweiterung der Exposition, in ihr eine starke Hervorhebung der Kraniche und ihrer Beziehungen zu Ibykus. Deshalb sollten sie als Zug- vögel ein ganzer Schwarm sein, als Naturphänomen kommen.

Leicht konnte Schiller diesen Wünschen Folge geben. Wie immer die Stellung der Kraniche im Ganzen gedacht sein mochte Schiller konnte, musste anerkennen, dass er sie zu karg behandelt hatte.Es ist mir bei dieser Gelegenheit wieder recht fühlbar, schreibt er,was eine lebendige Erkenntnis und Erfahrung auch beim Erfinden so viel thut. Mir sind die Kraniche nur aus wenigen Gleichnissen, zu denen sie Gelegenheit gaben, be- kannt, und dieser Mangel einer lebendigen Anschauung machte mich hier den schönen Gebrauch übersehen, der sich von diesem Naturphänomen machen lässt. Ich werde suchen, diesen Kranichen, die doch einmal die Schicksalshelden sind, eine grössere Breite und Wichtig- keit zu geben.(SchG 30. August, s. o. S. 9). Eine Woche darauf machte er Goethe die Mit- teilung:Mit dem Ibykus habe ich nach Ihrem Rat wesentliche Veränderungen vorge- nommen, die Exposition ist nicht mehr so dürftig, der Held der Ballade interessiert mehr, die Kraniche füllen die Einbildungskraft auch mehr und bemächtigen sich der Aufmerksam- keit genug, um bei ihrer letzten Erscheinung durch das Vorhergehende nicht in Vergessenheit gebracht zu sein(SchG 7. September).

Er hatte die Strophen 2 und 3 eingefügt und die frühere 3. in zwei Strophen, die 5. und 6., zerlegt. Hier wie dann auch in Str. 20 als Naturphänomen erscheinend, in wieder- holte Beziehung zu Ibykus gesetzt und wärmere Teilname für ihn erregend, traten jetzt die Kraniche im Anfang stark genug hervor und machten bei ihrem Wiedererscheinen nicht mehr den Eindruck des Wunderbaren. So war er allem gerecht geworden, was Goethe in dieser Hinsicht verlangt hatte.

Doch nur die Kraniche waren nach Goethes Auffassung(s. o. S. 11) die Ursache des Ausrufes, nicht auch die Eumeniden. In diesen sah er ein den ersteren gleichgeordnetes Element der Fabel, das sich erst am Ende mit ihnen zur Herbeiführung der Entdeckung vereinen sollte(vgl. SchG 23. August: Sie sehen etc.). Ihre Wirkung zielte nach seiner Meinung dahin, die Gemüter der Zuschauer für die Bedeutsamkeit des Ausrufs und seines nächsten Anlasses zu stimmen und vorzubereiten, nicht aber die Seele des Mörders für das Erscheinen der Kraniche. Denn den Mörder dachte er sich bei der Darstellung des Chores völlig unbewegt,in gleichgültiger Zerstreuung. Seine Bemerkung über die Kraniche sollte schlechthin einegaffende sein. War aber der Mörder ganz unberührt geblieben, so war eine überlaute Bemerkung,der laute Ausruf, der nach Schillers Absicht sofort vom ganzen Publikum gehört werden sollte, etwas Unbegründetes, Unnatürliches, besten Falles nur durch eine vom Dichter vorausgesetzte Wunderwirkung erklärlich. Ueberhaupt war der Ausruf, wie immer er beschaffen sein mochte, hier noch nicht an seiner Stelle, reihte sich schroff und unerwartet an den Chor. Waren doch die Kraniche, die ihn herbeiführen, nach Goethes Meinung diesem gleichgeordnet, nicht übergeordnet, sodass seine Wirkung und die ihre sich einander episch langsam(s. S. 10) entgegenbewegen sollten: sie durften nicht früher