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also die Erzählung der überlieferten Anekdote, nur wenig ausgestattet. Der mittlere Teil bestand aus 9, die Exposition aus 6 und der Schluss aus 3 Strophen(s. o. S. 4). Das musste aber niemand so befremdend als Goethe anmuten, dem die Einführung des Theaters und der Eumeniden überraschend neu aus dem Gedichte entgegensprang (SchG 22. August, s. o. S. 4), der in eigenen Gedanken über das Thema befangen war und sich nicht sogleich der Besonderheit der Grundidee Schillers, noch viel weniger ihrer Folgen für die Disposition bewusst werden konnte, der endlich durch eine Unbestimmtheit im Gedichte selbst(s. S. 13) in einer irrigen Auffassung geradezu gestützt wurde.
Während Schiller, wie er selbst schreibt(SchG 17. August) nicht ohne Schwierigkeit, die Fabel hinaufgehoben hatte in die klare und abgegrenzte Atmosphäre der ausgereiften griechischen Weltanschauung, hatte Goethe offenbar sie so aufgefasst und wohl auch so zu bearbeiten beabsichtigt, wie sie ursprünglich gemeint war. Vergleicht man die Sage vom Ibykus mit den ähnlichen bei den verschiedensten Völkern¹), so kann man nicht zweifeln, dass von ihnen allen ein volkstümlicher Wunderglaube berichtet werden soll: Vögel, die der Ueberfallene angesichts des Todes angerufen hat, werden zu Verrätern des Mörders (vgl. Welcker, Ibykus 226).
So aber hatte Goethe nach seiner Art, die Dinge aufzunehmen, wie sie sich in der Wirklichkeit bieten, die Anekdote begriffen; dieser unheimliche Ausdruck einer unentwickelten, in die Welt der Erscheinungen gebannten, aus ihr das Unbegreifliche erklärenden Volksseele gehörte für ihn recht eigentlich in den Kreis der„Dunst- und Nebelwege“ der Ballade(s. SchG 22. Juni). Ihm galt's daher als Aufgabe des Dichters, die Geschichte, wie sie in der Ueberlieferung vorlag, schlicht und natürlich(§. S. 11) zu erzählen. Darum waren für ihn die Kraniche das Wesentliche der Fabel, und die Behandlung hatte durchgehends eine rein epische zu sein. Der Entwurf, nach dem Goethe hatte arbeiten wollen, war aufs schärfste von dem des Freundes geschieden, und der von Schiller bei der Uebersendung des Gedichtes ausgesprochene Wunsch,„ihm in wesentlichen Punkten zu begegnen“(SchG 17. August), war gewiss nicht erfüllt.
Deshalb flossen die Ratschläge, die Goethe ihm erteilte(22. August), aus zwei Quellen, aus der Bemängelung der Missverhältnisse in der Disposition, und dessen ward er sich bald bewusst(23. August, s. S. 11), und aus seiner andersgearteten Grundidee— dessen aber war er sich nicht bewusst.— Wenn Goethe glaubte, in den Mitteilungen aus seinem Entwurfe alles Unbrauchbare fortgelassen zu haben(SchG 23. August), so war dies ein Irrtum, dem sich Schiller in der That nicht unterwarf.
Die Ratschläge aber lauteten:„Nun auch einige Bemerkungen: 1) die Kraniche sollten, als Zugvögel, ein ganzer Schwarm sein, die sowohl über den Ibykus als über das Theater wegfliegen; sie kommen als Naturphänomen und stellen sich so neben die Sonne und andere regelmässige Erscheinungen. Auch wird das Wunderbare dadurch weggenommen, in- dem es nicht ebendieselben zu sein brauchen; es ist vielleicht nur eine Abteilung des grossen wandernden Heeres, und das Zufällige macht eigentlich, wie mich dünkt, das Ahnungsvolle und Sonderbare in der Geschichte. 2) Dann würde ich nach dem 14. Verse, wo die Erinyen sich zurückgezogen haben, noch einen Vers einrücken, um die Gemütsstimmung des Volkes, in welche der Inhalt des Chors sie versetzt, darzustellen, und von den ernsten Betrachtungen
¹) S. S. 6, Anmerkung 4. Vgl. auch die Stelle aus Macbeth(III, 4) bei Fertsch 142, ferner Köster 207, Anmerkung 55.


