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Ermordeten angerufenen Vögel. Ebenso ist den Quellen der Ton des Ausrufes in Strophe 20 entlehnt(vgl. bereits Heller 231). Auch das Zufällige des Kranichzuges, wie das Allmähliche der zur Entdeckung führenden Entwickelung, das Goethe verlangte, hat hier seinen Ursprung.
Für die bedeutendste Partie des Gedichtes, den Eumenidenchor, dienten Schiller Die Eumeniden des Aeschylus, vor allem der Chor in Humboldts¹) Uebersetzung, aus der hier die für die Vergleichung wichtigsten Strophen folgen:
Auf nun, und schlinget den Reigen!
Lasset ertönen
Den grausen Gesang!
Singt, wie den Sterblichen
Unsere Schar des Schicksals Lose verteilt:
Wie sie, strenges Recht zu üben, sich freut! Aegypten nach Griechenland gelangt ist. Das ist ja möglich, aber bisher ist aus der altägyptischen Litteratur eine solche Sage nicht bekannt geworden. Beruht die, wie es scheint, stillschweigende Voraussetzung Amalfls, ibyx sei identisch mit ibis(hieroglyphisch hb), auf Hesychius:„ibyx eine Vogelart, auch ibis“? Das genügt nicht.— Ganz naiv ist es, das muss Herrn Amalfi hier gesagt werden, wenn man heutzutage bei der Erläu- terung hieroglyphischer Schriftzeichen noch mit Allegorie hantiert. Der Vogel und das Feuerbecken, mit denen diese Schrift das Wort für„Seele“ schreibt, sind nicht„Symbole der Seele“ bei den Aegyptern, sondern lautlicher Gleichklang hat dazu geführt, den Vogel als Wort- und das Feuerbecken als phonetisches Zeichen tur Seele einzusetzen. Dieser Vogel dient dann auch als phonetisches Zeichen für b, und da ein ägyptisches Wort für„fliegen“ und„Vögel“ mit p anfängt, so scheinen Herrn Amalfi allegorisch bedeutungsvoll„die beiden Lippenlaute b und p bei den Aegyptern als fliegender Vogel dargestellt“! Auch auf anderen Sprachgebieten geht Herr Amalfi uberraschend kühn ins Zeug. Zu seinen Bemerkungen über den Ibis ist noch die Stelle aus Plutarch zu erwühnen:„er(der Ibis) trinkt nie ungesundes oder vergiftetes Wasser, noch nähert er sich ihmt“ (Ueber Isis und Osiris cap. 75, ed. P'arthey. Berlin 1850). Zu den italienischen Sprichwörtern„Ziehen die Kraniche fort, ist das Wasser nah“ und„Kraniche, schlecht Wetter“ vgl. Tendlau, Sprichwörter und Redens- arten deutsch-jüdischer Vorzeit. Frankfurt a. M.(ohne Jahreszahl). No. 965.
Wohl sicher ruht auf der griechischen Form der Legende die Erzählung vom Derwisch(s. o.) aus der persischen Version von Kalilag und Dimnag(Amalfl 119), auf die bereits Hölscher(Herrigs Arehiv VII Bd. 1850. S. 127) hingewiesen hat. Sie hat wesentliche Zuge, z. B. die Kraniche, mit ihr gemein. Und ganz gewiss die folgende jüdisch-arabische Version, die erst im vorletzten Jahre wieder weiteren Kreisen zugänglich geworden ist(Alcharisi S. 3 f.). Sie lautet im Auszug: Die Geschichte vom Sänger Iniks(vPR und vP, wohl fraglos Ibykus; n für b erklürt sich leicht als irrige Umschreibung aus der arabischen Vorlage). Honein ibn Ishäk erzäühlt: Ich habe in griechischen Schriften gefunden, dass der Kaiser Kommodus(sic!) den Sänger Ibykus eingeladen habe, mit philosophischen Schriften zu ihm zu kommen. Er nahm seine Schriften und sein Geld(s. Welcker 105) mit sich und reiste ab. Unterwegs wurde er in der Wüste von Räubern überfallen, die ihn töten wollten. Weit und breit war keine Hilfe. Da schaute er zum Himmel empor und sah Kraniche fliegen. Er rief sie an:„Ich habe keinen Helfer, und keiner sieht's. Ihr sollt mein Blut von meinen Mördern fordern.“ Die Räuber lachten und meinten zu einander:„Der armselige Kopf! Wer keinen Verstand hat(s. Welcker 105 über das Sprichwort„einfältiger als Ibykus“), den darf man totschlagen. Und sie erschlugen ihn. Die Sache wurde bekannt, doch vergebens suchte man die Mörder, bis einmal die Griechen ein Fest hatten, wobei sie sich mit philosophischen Studien befassten. Da strömten Leute von allen Seiten herzu, unter ihnen die Mörder des Ibykus, die sich in das Menschengewühl mischten. Da erschien ein Kranich über ihnen und schrie. Sie lachten und sagten zu einander:„Das sind die Rächer des Narren Ibykus.“ Das hörte einer in ihrer Nühe. Man ergriff sie, sie gestanden und wurden hingerichtet. Daraus ist zu erkennen, dass es einen Rächer im Himmel giebt.(Folgt noch eine Erklärung, warum Gott sich dieses Weges zur Entdeckung bedient hat).— Neben die volkstümliche und die dichterische Fassung der Sage stellt sich diese schulmäüssige Erzühlung als eine dritte Gattung. ¹) S. Litteraturverzeichnis; Götzinger I 217; Goedeke, Gedichte 451 und ders. in Schnorrs Archiv
8, 107; Heller 228.


